Festspiele: Orgelklänge aus der Lagunenstadt

ST. GALLEN. Zum Glück pflegt der St.

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ST. GALLEN. Zum Glück pflegt der St. Galler Domorganist seit langem ein verlässliches Markenzeichen: Willibald Guggenmos reizt die Suche nach neuer und weniger bekannter Orgelmusik – und er wird dabei immer wieder fündig und kann dem Publikum dann jeweils interessante Entdeckungen präsentieren. So gelang gestern zum Start des Konzertprogramms der aktuellen St. Galler Festspiele ein Rezital, das der Lagunenstadt gewidmet war. Venezianischer Barock traf da auf venezianische Spätromantik. Und Liszt und Wagner gaben sich die Ehre.

Franz Liszt hat seine Trauer über den Tod Richard Wagners, der in der Villa Vendramin-Calergi am venezianischen Canale Grande gestorben ist, in zwei Stücken ausgedrückt, die harmonisch weit in die Moderne reichen. Karge, die Tonalität auflösende Strukturen zeigt sowohl das Stück «R. W. Venezia» wie auch die «Trauergondel». Willibald Guggenmos hat beide späten Klavierwerke von Liszt sehr apart transkribiert und den Stücken durch die Orgelfassung zusätzlich Farbe, aber auch zusätzliche Düsternis verliehen.

Der italienische Komponist Marco Enrico Bossi hat sich indes zweier Wesendonck-Liedern Wagners angenommen, die unter Guggenmos' Interpretation fein abschattiert und mit starker suggestiver Wirkung erklangen. Wie farbig und leichtfüssig Orgeltranskription sein kann, bewies der Domorganist im Rezital «L'organo a Venezia» mit zwei Stücken aus Vivaldis «Primavera». Locker schwingend, hell, sonnig, sehr transparent und mit anmutiger Eleganz erklangen diese barocke Juwelen auf der Domorgel.

Auch bei den weiteren italienischen Kompositionen bewies Willibald Guggenmos, was sein Spiel immer wieder auszeichnet: Eine makellos fliessende Technik, eine ruhige und souveräne Klanggestaltung und virtuos packender Zugriff dort, wo es sein muss. (map)