Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Klassik-Festivals in der Ostschweiz: Carmen, Puccini und Kopatchinskaja

Noch eine Saison lang stirbt in Bregenz Bizets «Carmen» in den Wassern des Bodensees. Die St. Galler Festspiele graben ein Frühwerk von Giacomo Puccini aus, und das Davos Festival verlangt: «Heute Ruhetag».
Rolf App
Szene aus "Carmen" an den Bregenzer Seefestspielen (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Szene aus "Carmen" an den Bregenzer Seefestspielen (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Tiefschwarze Geschichten in Bregenz

In seiner Autobiografie kommt der 1981 verstorbene Dirigent Karl Böhm nur sparsam auf sein Wirken im Dritten Reich zu sprechen. Mit Grund: So bedeutend er als Künstler war, so fragwürdig mutet seine Rolle in dieser dunklen Zeit an. Er war, wie die «Zeit» schrieb, «ein Dienstfertiger, der, wie so viele aus dem Reich der Musen, dem barbarischen Regime zur Verfügung stand». 1980 hat Böhm in Bregenz das Festspielhaus eröffnet. Dort sind schon 2016 in der «Staatsoperette» gern verdrängte Verstrickungen in die Nazizeit aufgerollt ­worden, und zwar als groteskes Puppenspiel. Jetzt kehrt der Puppenspieler Nikolaus Habjan zurück und nimmt sich Karl Böhms an. «Böhm» ist eine von mehreren dunklen Geschichten, die die Bregenzer Festspiele ab 18. Juli erzählen.

Denn auch Georges Bizets Oper «Carmen», die sich wie erwartet als Kassenrenner entpuppt, lotet auf der Seebühne mörderische Leidenschaften aus, Spezialeffekte wie den Tod im Wasser inbegriffen. Ein Auftragswerk und eine Entdeckung Während Thomas Larcher in seinem Auftragswerk «Das Jagdgewehr» auch eine Dreiecksbeziehung zum Thema macht, erzählt «Beatrice Cenci» eine wahre und tiefschwarze Geschichte aus der Renaissance. Denn seine Titelfigur wird auf Geheiss des Papstes öffentlich hingerichtet, weil sie es gewagt hat, ihren brutalen Vater umbringen zu lassen. Komponiert hat die Oper 1949/50 der 1935 nach England emigrierte Berthold Goldschmidt. Erst 1988 aber ist sie konzertant – und 1994 szenisch – ein erstes Mal aufgeführt worden. Bei so viel Düsternis braucht es doch auch ein Gegengewicht. Gioachino Rossinis unsterblicher «Barbier von Sevilla» mit Solisten des Opernstudios wird es sein. Regie führt mit Brigitte Fassbaender eine Frau, die einst selber auf den Bühnen der Welt Massstäbe gesetzt hat.

18. Juli bis 19. August 2018 bregenzerfestspiele.com

"Loreley" - 2017 an den St.Galler Festspielen. (Bild: Benjamin Manser)

"Loreley" - 2017 an den St.Galler Festspielen. (Bild: Benjamin Manser)

Reizvolle Raritäten bei den St. Galler Festspielen

Giacomo Puccini hat nicht nur «La Bohème» oder «Tosca» geschrieben, sondern auch eine Oper, die nach der Premiere 1889 an der Mailänder Scala in der Versenkung verschwand. Seine zweite Oper «Edgar» gilt als sein erstes Meisterwerk. Auch die 13. Ausgabe der St. Galler Festspiele bleibt der Tradition treu, auf dem Klosterplatz Raritäten ausserhalb des gängigen Repertoires zu inszenieren. Die Liebes- und Eifersuchtsgeschichte erinnere an den Stoff von Bizets «Carmen» und warte mit effektvollen Elementen und zauberhafter Musik auf, verspricht die Festspielvorschau. Das Stück spielt 1302 in Flandern und zeigt den Bauern Edgar, hin- und hergerissen zwischen zwei Frauen. Das Regieteam (Inszenierung: Tobias Kratzer) habe sich für diese Neuproduktion von den vielfältigen, religiös geprägten, teils realistischen und teils surrealen Motiven der flämischen Malerei inspirieren lassen, schreibt die hauseigene St. Galler Theaterzeitschrift «Terzett». Reisen nach Flandern und Konstantinopel Wiederum funktioniert das Festspielprogramm nach dem bekannten «Dreisäulenprinzip». Neben der Oper auf dem Klosterplatz setzt der Tanz in der Kathedrale einen zweiten Akzent. Erstmals und kurz vor ihrem Weggang nach Graz inszeniert die St. Galler Tanzchefin Beate Vollack selbst ein Stück im barocken Kirchenraum. Mit «Peregrinatio» ist die Tanzkompagnie des Theaters St. Gallen der Jahrhunderte alten Idee des Pilgerns auf der Spur. Bei dieser Wanderung durch die Kathedrale ist auch das Publikum mit einbezogen. Die dritte Säule ist wiederum einem Konzertprogramm gewidmet, das vielfältige, teils hochkarätige Bezüge zur Oper herstellt. Mit frankoflämischer Renaissancemusik ebenso wie mit belgischer Orgelmusik, mit Musik aus Konstantinopel, aber auch mit einem Konzert zum 100. Geburtstag von Leonard Bernstein. (Martin Preisser)

29. Juni bis 13. Juli,
stgaller-festspiele.ch

Winterreisen im Hochsommer mit der Schubertiade

Die Namen in den Programmheften überraschen wenig: Es gehört zum Konzept des international ausstrahlenden Festivals für Lied, Klavier- und Kammermusik, das Kernrepertoire von Schubert, Schumann, Beethoven, Mendelssohn zu pflegen, mit seltenen Abstechern in frühere und spätere Epochen. Ein erster Höhepunkt 2018 war schon Anfang Mai zu hören: Schuberts sämtliche Sinfonien mit dem Barockorchester L’Orfeo in Hohen­ems. Im Juni wird neben vielen anderen Thomas Hampson zu hören sein; er leitet den Meisterkurs Lied und singt Werke von Schubert, Mahler und Berg. Einen von mehreren «Winterreise»-Abenden gestalten Daniel Behle und Oliver Schnyder. (Bettina Kugler)

23. Juni bis 1. Juli;
25. August bis 1. September in Schwarzenberg

12. bis 15. Juli, 3. bis 9. Oktober in Hohenems
schubertiade.at

«Aus dem Leben einer Matratze» am Davos Festival

Wenn die Geigerin Patricia Kopatchinskaja morgens aufwacht, ist ihr erster Gedanke: Was muss ich heute spielen? Und der zweite: Wo bin ich eigentlich? Niemand könne sich vorstellen, was so ein Solistenleben bedeute, erklärt sie. Doch vielleicht kann ihr geholfen werden – in Davos, wo es vom 4. August an heisst: «Heute Ruhetag» und wo sie als «Artist in Ruhe» ihr Instrument schweigen lässt und «Radio Ruhe» betreiben wird. Natürlich ist trotzdem viel Musik zu hören, etwa Leo Dicks Kammeroper «Aus dem Leben einer Matratze bester Machart» oder Morton Friedmans Streichquartett Nr. 2 mit einer Spieldauer von sechs Stunden. Und auch die Spielbox ist wieder in Betrieb, der kleinste Konzertsaal der Welt mit genau einem Sitzplatz. (Rolf App)

4. bis 18. August
davosfestival.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.