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FESTIVAL: Gespenstisch realistische Filme

Am Samstagabend ging die 31. Ausgabe des Festival International de Films de Fribourg zu Ende. Auch wenn die Preise an Filme aus Südasien gingen: Den stärksten Eindruck hinterliess ein Drama aus Russland.

Trotz Prachtwetter in den letzten Festivaltagen konnte das Festival International de Films de Fribourg (FIFF) mit über 42 000 Eintritten den letztjährigen Be­sucherrekord wiederholen. Das FIFF ist damit das grösste Filmfestival der Romandie. Das gewohnt ausufernde Programm des Festivals, das dieses Jahr einen Schwerpunkt mit Gespenster­filmen setzte, war stark von asiatischem Kino dominiert.

Aus einem anderen geografischen Raum, ganz real und doch nicht minder gespenstisch, war indes «The Student» des russischen Regisseurs Kirill Serebrennikov. Ähnlich wie in «Le ciel attendra» geht es auch in «The Student» um religiöse Radikalisierung bei Jugendlichen. Doch anders als Mention-Schaars Film verzichtet «The Student», obwohl in einer Schule spielend, auf jegliche Didaktik. Vielmehr ist der auf dem Theaterstück «Märtyrer» des deutschen Autors Marius von Mayenburg beruhende Film eine rabenschwarze Satire. Und im Gegensatz zu «Le ciel attendra» konzentriert sich hier die Radikalisierung auf eine einzige Figur. Regisseur Kirill ­Serebrennikov, der damit seinen siebten Spielfilm vorlegt, verlegte die Geschichte aus der deutschen Provinz nach Kaliningrad (dem ehemaligen Königsberg) an der Ostsee und gibt bereits in der Eröffnungsszene den Tarif durch: Der Teenager Benjamin (stark: Pyotr Skvortsov) zofft sich mit seiner alleinerziehenden Mutter, die soeben erfahren hat, dass ihr Sprössling seit Wochen den schulischen Schwimmunterricht schwänzt. Sie muss die Absenzen begründen, Benjamin provoziert: «Dann schreib halt: Keine Schwimmlektionen mehr wegen häufiger Spontanerektionen.» Doch dann rückt Benjamin mit der Sprache heraus: «Sag ihnen, es ist gegen meine Religion.» Und er meint es ernst, wie man kurz darauf sieht. Angezogen am Beckenrand in der Schwimmhalle sitzend, rezitiert er aus der Bibel Textstellen, die Unzucht und moralischen Verfall geisseln. Anfangs erntet er für seinen fanatischen Irrsinn Spott, doch das ändert sich im Verlauf zweier atemlos spannender Filmstunden. Sowohl Mitschüler als auch Lehrerschaft bleiben von Benjamins Predigten nicht unberührt, bald treten bei einigen antisemitische und homophobe Vorurteile offen zutage – mit mörderischen Konsequenzen. «The Student» reiht sich so ein in solch inhaltlich wie formal grosse und mutige Würfe des jüngeren russischen Kinos.

Leider ging «The Student» bei den Preisen am FIFF leer aus. Im Gegensatz zu Deutschland und Österreich, wo er unter dem Titel «Der die Zeichen liest» bereits in den Kinos läuft, fand er auch keinen Schweizer Kinoverleih. Am letztjährigen Filmfestival von Cannes, wo er seine Weltpremiere in der Sektion «Un ­certain regard» erlebte, erhielt «The Student» den «Prix François Chalais». Der Preis ist nicht ganz unwichtig. Im Jahr zuvor war die Auszeichnung an «Son of Saul» gegangen. (red)

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