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FESTIVAL: Die Realität ist nicht genug

Zum neunten Mal findet das lateinamerikanische Filmfest «Pantalla Latina» in St. Gallen statt. Unter anderem mit elf Spiel- und zwei Dokumentarfilmen. Dazu gesellen sich 14 Kurzfilme und mehrere Rahmenveranstaltungen.
Horrormärchen aus Mexiko: «La región salvaje». (Bild: PD)

Horrormärchen aus Mexiko: «La región salvaje». (Bild: PD)

Morgen Abend wird im Kino Rex das «Pantalla Latina» eröffnet. Zu sehen ist das Sozialdrama «Los perros» der chilenischen Regisseurin Marcela Said. Ihr Film dreht sich um eine Frau aus Chiles Oberschicht, die sich in ihren Reitlehrer verliebt. Die Schatten der Pinochet-Diktatur liegen auch fast drei Jahrzehnte nach ihrem Ende noch über der Gesellschaft des südamerikanischen Landes – das zeigt «Los perros» mit grosser Eindringlichkeit, der in Cannes seine Premiere erlebte und Anfang nächsten Jahres regulär in die Schweizer Kinos kommen wird.

Es ist wohl kein Zufall, dass das Thema von Pinochets Schatten zwei Tage später gleich noch einmal präsent ist, im Dokumentarfilm «El Pacto de Adriana» von Lissette Orozco. Die junge Regisseurin aus Chile – die persönlich anwesend sein wird – legt mit diesem mit Minimalbudget und einfachsten technischen Mitteln realisierten Film ein Werk vor, das einen ungeheuren emotionalen Eindruck hinterlässt. Alarmiert durch ihre Lieblingstante, die 2007 wegen Folter und der Beihilfe zum Massenmord angeklagt wurde und darauf nach Australien geflohen war, befragt Orozco die Frau via Skype und bringt so immer mehr Licht in eine schreckliche Vergangenheit. Sie muss erkennen, dass die nette Tante als Mitarbeiterin von Pinochets Geheimdienst Dina ein Ungeheuer war. Und dass sie, wie einst die Nazi-Schergen, von nichts etwas gewusst haben will.

Filme aus Chile prägen das Programm

Chile ist am diesjährigen «Pantalla Latina» auch zahlenmässig so stark vertreten wie kein anderes Land. Dazu kommen der Spielfilm «Ninas araña» (Spidergirls) des jungen Regisseurs Guillermo Helo um zwei – wie Spiderman – an Fassaden von Häusern der Reichen hochkletternde Mädchen aus einem Slum sowie das Roadmovie «La novia del desierto» mit Schauspielerin Paulina García («Gloria»). Traditionell kam bisher Argentinien die Rolle der produktivsten Filmografie Lateinamerikas zu, es ist mit dem Dokumentarfilm «Las cinephilas» und den Emigrantengeschichten «Nadie nos mira» und «El futuro perfecto» ebenfalls gut vertreten. Rechnet man «La novia del desierto» als Coproduktion zwischen Chile und Argentinien dazu, stehen sich die beiden Nachbarländerländer auf Augenhöhe gegenüber.

Ein Venedig-Gewinner, der es in sich hat

Aus Mexiko, dem anderen äusserst produktiven Filmland Lateinamerikas, stammt dieses Jahr nur ein Film. Doch dieser hat es in sich: «La región salvaje» von Amat Escalante, einem alten Bekannten am «Pantalla Latina» (sein Film «Heli» lief hier 2013). «La región salvaje» ist in einer konservativen zentralmexikanischen Provinzstadt angesiedelt. Eine junge Hausfrau und Mutter entdeckt, dass ihr Ehemann heimlich eine homosexuelle Beziehung zu ihrem Bruder unterhält. Als kurz darauf auch eine geheimnisvolle Fremde im Ort auftaucht, die sich ihrerseits an diesen Bruder heranmacht und ihn in eine Waldhütte lockt, wo ein Monster haust, nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

Inspiriert von einer kleinen Zeitungsmeldung hat Amat Escalante ein fantastisches Horrormärchen entwickelt, dessen Plot auf den ersten Blick wie ein billiger Schocker anmutet. Doch Escalante, der als Regieassistent beim Enfant terrible des jungen mexikanischen Kinos, Carlos Reygadas, begann und spürbar von diesem beeinflusst ist, geht es nicht um schlichte Oberflächenreize. Vielmehr hat er sich, wie kaum ein anderer mexikanischer Cineast der jüngeren Zeit, in seinen Filmen «Bastardos» und «Heli» mit unkonventionellen Geschichten der Gewalt und dem Drogenkrieg in seinem Land anzunähern versucht.

Für die Darstellung dessen, was sich in seinem Land abspiele, hätten sich aber die Mittel des realistischen Kinos erschöpft, erklärte der ursprünglich aus Spanien stammende Regisseur am Filmfestival Venedig. Dort gewann der Film 2016 auch prompt den Silbernen Löwen. Ganz zu Recht, denn nicht nur die Story, auch die Bilder des chilenisch-dänischen Kameramanns Manuel Alberto Claro (bekannt geworden durch die Arbeit bei Lars von Triers «Melancholia» und «Nymphomaniac») sind eine Wucht.

Geri Krebs

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

Mi, 15., bis So, 19.11., Kino Rex, St. Gallen. www.pantallalatina.ch

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