Federleichte Tragödie aus dem 19. Jahrhundert

Beda Hanimann
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Liebesdrama Livia heiratet als 22-Jährige einen vierzig Jahre ­älteren Grafen, doch schon auf der Hochzeitsreise in Venedig stürzt sie sich in eine heftige Liebes­affäre mit einem Leutnant. Livia ist Hauptfigur und Ich-Erzählerin in Camillo Boitos Novelle «Sehnsucht», die 1883 erschienen ist und gerade in einer schönen deutschen Ausgabe neu aufgelegt wurde. Contessa Livia gilt als italienisches Pendant zu Madame Bovary, Effi Briest und Anna ­Karenina. Anders als Flaubert, Fontane und Tolstoi aber erzählt Boito das Drama um Ehebruch, verratene Liebe und Rache als federleichte, nicht einmal achtzig Seiten umfassende Novelle. Eine Geschichte voller kunstvoller Andeutungen und Ausblendungen, dennoch glasklar, unmissverständlich und sinnlich.

Beda Hanimann