Fast wie zu Hause

Interview Sind mit neuem Album zurück: OneRepublic. Sänger Ryan Tedder und Gitarrist Drew Brown sprechen über die Schweiz und den betrunkenen Til Schweiger. Reinhold Hönle

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OneRepublic mit Ryan Tedder (vorne) und Drew Brown (rechts). (Bild: Alison Clem)

OneRepublic mit Ryan Tedder (vorne) und Drew Brown (rechts). (Bild: Alison Clem)

Ryan Tedder und Drew Brown, wer Ihre Single «If I Lose Myself» kennt, muss einfach danach fragen: Wie war Ihr Flug nach Zürich?

Ryan Tedder: Er war holprig. Aber Kaffee und Schokolade waren spitze. Grundsätzlich gilt aber für europäische Fluggesellschaften: Nur den Platz neben sich frei zu haben, ist lange nicht First Class.

Drew Brown: Der Vorhang macht es nämlich aus!

Der Song handelt aber nicht vom Fliegen, sondern vom Abstürzen…

Tedder: Stimmt. Der Text ist melancholisch. Jeder hatte schon Angst, mit dem Flugzeug abzustürzen. Das Lied soll aussagen: Wenn ich schon sterbe, dann will ich feiern, dass ich Dich jetzt an meiner Seite habe.

Halten Sie manchmal Händchen?

Brown: Nur wenn es wirklich furchteinflössend ist. Aber wer wie wir eine Viertelmillion Flugmeilen pro Jahr macht, verfällt irgendwann dem seltsamen Gedankengang, dass von allen Todesarten ein Flugzeugabsturz ganz okay wäre. Zumindest redet man sich das ein, wenn man am Rande einer Panikattacke steht…

Tedder: Ich würde lieber zerschmettern als auf dem Meer landen und mich mit einem blöden Hai herumschlagen zu müssen oder im Stil von «Life of Pi» mit einem Tiger auf einem Floss im Ozean alleingelassen zu werden.

Die Vorab-Single «Feel Again» zeigt alle Qualitäten des Albums. Wie wurde der Song entwickelt?

Tedder: Wir haben noch nie eine «Werbe-Single» herausgegeben. Wir wussten nicht einmal, dass dies eine würde. Aber als sie fertig war, spürten wir, dass wir einen spannenden, neuen Sound erschaffen haben. Der Weg dorthin war lang und komplex. Ich habe fünf Wochen durchgehend nur an diesem einen Song gearbeitet.

Besonders eindrücklich ist, wie Sie grosse Trommeln und Electro eingebaut haben.

Tedder: Grösser ist besser, wenn es ums Schlagzeug geht! Diese Besessenheit hat mit Peter Gabriel zu tun. Nachdem ich «Secret World Live» gehört hatte, kaufte ich alles, was ich von ihm finden konnte. Er hat mich lange inspiriert, später war es dann Hip-Hop und ich arbeitete mit Timbaland.

Ist der Song «Preacher» Ihrem Grossvater gewidmet?

Tedder: Ja, er ist Priester. Nachdem viele Texte auf der letzten CD mehrdeutig waren und die Leute keine Ahnung hatten, worüber ich sang, wollte ich nun leichter verständlich schreiben. «Preacher» ist autobiographisch, genau wie «Burning Bridges», in dem ich von der Liebe zu meiner Frau singe. «I Lived» ist ein Brief an meinen zweijährigen Sohn. Als ich es ihm vorspielte, begann er zu breakdancen. Es hat ihm gefallen.

Brown: Das Kind hat einen ausgezeichneten Musikgeschmack und ist das coolste, mit dem ich je abgehangen bin!

Was hat Ihnen Ihr Grossvater auf den Lebensweg mitgegeben?

Tedder: Immer, wenn ich bei ihm bin, spricht er von Gott oder betet. Besonders zu Herzen genommen habe ich mir seinen Leitspruch: «Gott hilft denen, die sich selbst helfen.» Viele rufen nur nach Gott, wollen aber nicht an sich arbeiten.

Hat der neue Papst eine Bedeutung für Sie?

Tedder: Er hat seinen Namen von Franz von Assisi abgeleitet, der mein Lieblingsheiliger ist, weil er den Glauben nicht gepredigt, sondern gelebt hat. Das ist die einzige Bedeutung, die er für mich hat.

Ihre Songs «Apologize» und «Secrets» waren im deutschen Sprachraum speziell erfolgreich, da sie in Til-Schweiger-Komödien vorkamen. Haben Sie diese gesehen?

Brown: Ja, wir haben «Zweiohrküken» und «Keinohrhasen» gesehen. Sie sind lustig. Schweiger hat uns an die Premieren eingeladen. Wir haben die Filme ohne Untertitel gesehen und mussten trotzdem andauernd lachen.

Tedder: Das war witzig, wir wurden Freunde von Til Schweiger und Nora Tschirner. Sie ist «unser Girl», wir stehen uns nahe, und Schweiger weiss, wie man feiert!

Brown: Aber er ist ziemlich schwer, wenn man ihn betrunken zu seinem Auto tragen muss…

Wieso sind Sie in der Schweiz erfolgreicher als in Ihrer Heimat?

Tedder: Für die Schweiz gilt: Du bekommst, was du gibst! Unsere Liebe zum Land ist echt. Lange bevor es OneRepublic gab, hätte ich gerne hier gelebt. Die Landschaft kommt Colorado am nächsten, und Bergler verstehen sich. Als wir landeten, sagte ich: «Es fühlt sich wie zu Hause an.»

OneRepublic: «Native» (Universal). Live: 3.4. Lausanne im Métropole, 4.4. Zürich im Komplex 457, 5.4. Kleine Scheidegg am Snowpen Air

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