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Karriere als Dirigent: «Ich habe fast verlernt, Grüezi zu sagen»

Die Konkurrenz sei in Deutschland härter, sagt der gebürtige Kreuzlinger Tobias Engeli. Er hat eine erfolgreiche Dirigentenlaufbahn gemacht. Und punktet als Orchesterleiter in Leipzig mit schweizerischen Tugenden.
Martin Preisser
Sommerstopp in der Heimat: Dirigent Tobias Engeli im Kreuzlinger Seeburgpark. (Bild: Martin Preisser)

Sommerstopp in der Heimat: Dirigent Tobias Engeli im Kreuzlinger Seeburgpark. (Bild: Martin Preisser)

«Du grüsst ja die Leute gar nicht mehr», habe ihm ein Freund gesagt, mit dem er unlängst in der alten Heimat spazieren ging. Seit achtzehn Jahren lebt der gebürtige Kreuzlinger Tobias Engeli in Hamburg und kennt inzwischen die sprödere, norddeutsche Mentalität. «In der Hansestadt redet man nicht um den Brei herum, sondern man sagt direkt, was man will. Vielleicht hat das ja schon ein wenig auf mich abgefärbt.» Und doch waren es gerade auch solche Tugenden wie Respekt, Höflichkeit und Geduld, die man landläufig eher mit der Schweiz verbindet, die dem Sohn eines Musikerpaars die Türen in Deutschland öffnen halfen.

«In der Schweiz bekommt man mehr Unterstützung»

Sein damaliger Schweizer Celloprofessor, Thomas Grossenbacher, hatte ihm geraten, ins Ausland zu gehen, um den Horizont zu erweitern. «Es war der richtige Schritt», sagt Tobias Engeli heute. «Hier hatte man von mir als jungem Musiker irgendwie immer auch ein falsches Bild, die Vorstellung von einem, der alles kann, dem alles zufällt, ohne viel dafür tun zu müssen. Das Ausland hat mir gezeigt, wo ich ­wirklich stehe und wie ich mich selbst einschätzen musste.» In Deutschland müsse man mehr kämpfen, die Konkurrenz sei härter. In der Schweiz bekäme man viel leichter Unterstützung, wenn man gute Ideen habe, sagt er.

Tobias Engeli ist in Hamburg vom Violoncello zum Dirigieren gekommen. Sein Professor Christof Prick habe das Orchester immer als einen Drachen bezeichnet, den man als Dirigent bezwingen müsse. Engeli sieht das ganz anders: «Ich unterstelle ­jedem Orchestermusiker erst ­einmal absoluten Goodwill.»

Vor drei Jahren war er am ­frühen Abend gerade auf dem Weg zum ICE nach Hamburg, als er in Leipzig vom Bahnsteig weg einspringen und am Abend das berühmte Gewandhaus­orchester für Mozarts «Zauberflöte» dirigieren musste. Gemacht hatte er diese Oper vorher noch nie, aber als Kind hat er sie oft ab Schallplatte mitdirigiert. Bei solch einem legendären Spitzenorchester positiv anzukommen, zu merken, dass dieses Orchester fein auf ihn reagierte, war natürlich ein Höhepunkt in seiner Dirigenten­karriere. Heute steht er immer wieder mal am Pult des Gewandhausorchesters.

Engeli hat Robert Schumanns einzige Oper dirigiert

Tobias Engeli hat am Lehrerseminar Kreuzlingen als Teenager einmal das Orchester von Martin Sigrist dirigieren dürfen. Der sagte ihm damals schon: «Du bist ein Dirigent.» Das ist eingetroffen. Engeli war am Staatstheater Darmstadt engagiert und in Zwickau stellvertretender Generalmusikdirektor.

2010, anlässlich des 200. Geburtstags von Robert Schumann, durfte er in der Geburtsstadt des Romantikers dessen einzige Oper «Genoveva» dirigieren. Seit der Saison 2014/15 ist er Erster Kapellmeister an der Leipziger Oper und engagiert sich intensiv für das Orchester der musikalischen Komödie, dem zweiten Orchester der sächsischen Metropole. An der Oper hat Engeli in der letzten Saison Verdis «La Traviata» sowie Puccinis «Tosca» und «Madame Butterfly» dirigiert.

Obwohl er erst Cello studiert hat und in jungen Jahren mit ­seinem Bruder Benjamin, heute ein erfolgreicher Konzertpianist, im Klavierduo gespielt hat, hat ihn das Dirigieren immer begleitet. Zehn Jahre hat er als Assistent ­ das Thurgauer Jugendsinfonie­orchester unter Hartmut Wendland mitbetreut.

Moderieren geht nur noch auf Hochdeutsch

In Zwickau habe ihm ein Klarinettist einmal gesagt: «Dein Problem ist, dass du zu höflich bist.» Er irrte. Gerade diese Eigenschaft scheint Tobias Engelis Karriere gefördert zu haben. Der gebürtige Thurgauer liebt die deutsche Sprache und lebt gerne in Hamburg, wo seine Frau eine feste Stelle als Korrepetitorin hat. Zwischen der Hansestadt und Leipzig pendelt er.

Ein neuer Zweig in Engelis musikalischem Portfolio ist das Arrangieren und Komponieren. Und was Tobias Engeli sehr liebt, ist das Moderieren von Konzerten. «Komisch, aber das könnte ich heute gar nicht mehr auf Schwyzerdütsch», sagt er.

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