Fast schon ein meditatives Plätschern

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Peter Broderick: All Together Again (Erased Tapes)

Normalerweise ist es eine schreckliche Beleidigung, wenn man sagt, die Musik plätschere einfach ein bisschen dahin. Nicht so bei der neuen Platte von Peter Broderick. Der Amerikaner versammelt darauf Stücke, die er im Auftrag geschrieben hat. Sei es für eine Hochzeit oder für eine Bootsfahrt. Das ist mal sphärisch, mal folkig, aber immer gefällig. Im siebzehnminütigen «A Ride on the Bosphorus» tuckert man in Gedanken sanft schaukelnd über ein Gewässer und driftet langsam, aber sich ab. Das ist beinahe schon ein meditatives Plätschern. Natürlich: Auch dieses Plätschern wäre nicht unbedingt nötig, aber da sind auch Stücke drauf wie das abschliessende «Unsung Heroes», die einem seltsam zufrieden zurücklassen.

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Slow Leaves: Enough About Me

(Indigo)

Musik, die einem die Seele wärmt

Wie gut unaufgeregte Musik sein kann, zeigt Grant Davidson. Er macht komplett entspannten Folk und erzählt einfach ein bisschen übers Leben und übers Sein. Wenn dann noch Musiker von den Weakerthans oder Broken Social Scene auf dem Album mitmischeln, entsteht dabei ein wunderschönes Stückchen Musik, das einem die Seele wärmt. Das ist zwar durchaus alles ­melancholisch eingefärbt, kippt aber nie in eine jammrige Herzschmerzplatte. Bestechend schön.

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Xavier Naidoo: Für dich

(Musikvertrieb/Naidoo Records)

Ohne Skandal – dafür mit viel Soul

Ja, der Xavier Naidoo hat wieder eine neue Platte. Anders als bei seinem letzten Release mit den Söhnen Mannheims ist es aber nicht begleitet von einer Skandalwelle. Das liegt daran, dass Naidoo jetzt wieder mehr über die Liebe und weniger über Politik singt. Herzen erobern ist deutlich sinnvoller, als Merkel zu stürzen. Ohne Nebengeräusche merkt man es dann auch viel einfacher: Naidoo hat eine grossartige Stimme und verdammt viel Soul. Dass die Songs stets sehr bieder und oberflächlich bleiben, stört wohl nur jene, die genau zuhören.

Michael Graber