Fast ein Kultfilm- Desaster

Die Vorfreude auf den Filmabend mit Freunden war gross – und leider naiv. Man wollte sich gemeinsam in die nicht so coole eigene Jugend zurücklehnen, mit einem besonders coolen Kultfilm: «Blues Brothers» stand auf dem Programm.

Hansruedi Kugler
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Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Hansruedi Kugler)

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Die Vorfreude auf den Filmabend mit Freunden war gross – und leider naiv. Man wollte sich gemeinsam in die nicht so coole eigene Jugend zurücklehnen, mit einem besonders coolen Kultfilm: «Blues Brothers» stand auf dem Programm. Genau, diese beiden wie FBI-Agenten gekleideten, supercoolen Brüder Elwood und Jake Blues. Schwarzer Anzug, schwarzer Hut, schwarze Sonnenbrille. Zwei, die in bester Slapstick-Manier schadlos ohne Kratzer Explosionen überleben und auch noch unter eingestürzten Häusern hervorkriechen. Aber nach wenigen Minuten schaute man sich fragend an: Ist es möglich, dass man damals vor 35 Jahren zu blöd war, diese holprige Dramaturgie toll zu finden, diesen lieblos geschnittenen Film, der aus einer Aneinanderreihung lauwarmer Sketches besteht? Trash zieht nicht mehr. Der Filmabend drohte in Missmut zu enden. Langeweile machte sich breit. Liess man sich in seiner Jugend wirklich blenden vom fabelhaften, mitreissenden Soul, Funk und Rhythm & Blues? Ja klar, war schliesslich die einhellige Meinung. James Brown, Ray Charles, Aretha Franklin – wo sah man diese schwarzen musikalischen Halbgötter je vereint in einem Film? John Belushi gerät bei Pater James Browns elektrisierendem Gesang nicht nur in Ekstase, sondern kommt zur Erleuchtung – da spürt man trotz Übertreibung die Verbeugung vor den Heroen der black community in den USA. Auch wenn der Film etwas gar viel auf kitschige Stimmung getrimmt ist, einigte man sich darauf, den Filmabend mit einer Verneigung vor der uns alle überlebenden Musik zu beenden.