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FASHION: Mehr Kunst als Mode

An der Mode Suisse in Zürich stellen Jungdesigner bis am 9. September ihre Kollektionen vor. Jurymitglied und Ladenbesitzerin Corinne Grüter über Kreativblasen und marktfremde Talente.
Diana Hagmann-Bula
Noch Mode oder schon Kunst? Entwürfe des Schweizer Labels Collective Swallow. (Bild: Christian Schnur/PD)

Noch Mode oder schon Kunst? Entwürfe des Schweizer Labels Collective Swallow. (Bild: Christian Schnur/PD)

Diana Hagmann-Bula

Corinne Grüter, tragen Sie Schweizer Mode?

Corinne Grüter: Nein, Kleider nicht. Was mich täglich begleitet, ist ein Armband des Zürchers ­Felix Doll.

Wie verkaufen sich Schweizer Labels in Ihrer Boutique Set & Sekt in Basel?

Wir führen nur Schweizer Accessoires im Sortiment. Für die aktuelle Saison habe ich im Inland nichts gefunden, hinter dem ich stehen kann. La Première war beliebt. Das Label hat sich auf hochwertige Mäntel spezialisiert, ist unterdessen aber eingestellt. Sich auf ein Kleidungsstück zu konzentrieren ist sinnvoll. Es ermöglicht als kleines, junges Unternehmen, gesund zu wachsen.

Die Konkurrenz im Ausland fährt aber breit…

Wenn man soeben das Studium abgeschlossen hat und vielleicht 20000 Franken gespart hat, kann man sich oft nur eine Saison leisten. Die Konkurrenz ist riesig. Wer sich bei mir bewirbt, muss sich mit etablierten Marken wie Acne Studios, Marni und Dries van Noten messen. Ist ein Produkt noch nicht reif, kaufen es meine Kunden nicht. Einen Extra-Bonus für Schweizer Jung­designer gibt es leider nicht.

Wann ist ein Produkt noch nicht reif?

Ein Kleidungsstück darf nicht nur aussen gut aussehen. Auch das Futter muss den Erwartungen standhalten, die Taschen müssen sich an der richtigen Stelle befinden. Mir hätte die Mode einer Jungdesignerin durchaus gefallen. Aber sie arbeitet mit Einheitsgrössen. Eine Hose, die einer Frau mit Grösse 34 ebenso passt wie einer Frau mit Grösse 44, das ist unmöglich, glaube ich.

Manchmal sieht Schweizer Mode wie Kunst und nicht wie Kleidung aus.

Viele Jungdesigner haben eine Mode- oder Kunstschule besucht. Dort lebten sie in einer kreativen Blase, dort gab es keine Grenzen. Die Bildungsstätten lehren, wie etwas aus der Masse sticht, diese aber nicht bedient. Zuerst surfen die Absolventen auf ihrer Schöpfungswelle, dann straucheln die meisten. Mode hört nicht bei der Kollektion auf. Die Abgänger sind nicht auf die Praxis vorbereitet.

Was fehlt ihnen?

Das Wissen, wie man eine Marktanalyse macht. Natürlich sind Ideen und Talent ausschlaggebend, aber nicht jedes Kleidungsstück muss eine tiefgründige Botschaft verströmen. Viele Designer entwerfen, was ihnen gefällt, statt sich Gedanken über das Zielpublikum zu machen. Sie springen auf die Welle auf, die das französische Label Vetements ausgelöst hat, das vor ­kurzem nach Zürich gezogen ist. Sie rebellieren mit Anti-Ästhetik gegen den Kommerz. Höchstens ein Prozent der Schweizer Bevölkerung zieht aber tatsächlich Lackschuhe mit zwei verschiedenhohen Absätzen an.

Was raten Sie Jungdesignern?

Beliebt sind Praktika bei grossen Namen in New York und Paris. Dort schuften die Jungtalente zwei Jahre lang fast gratis, lernen viel über das Handwerk, nicht aber über die Basis. Jeder Jungdesigner sollte einige Monate in seinem Marktgebiet in einer Boutique arbeiten. Er wüsste danach, was gefragt ist.

Sind wir Schweizer nicht einfach zu bünzlig für die Schweizer Mode?

Etwas mehr Mut wäre angebracht. Wir schätzen gute Qualität, hetzen ungern jedem Trend nach. Japaner sind da viel modeaffiner. Sie tragen gerne Auffälliges. Deshalb sind einige Schweizer Jungdesigner in dem asiatischen Land erfolgreicher als bei uns. Julian Zigerli etwa.

La Première produzieren keine Mäntel mehr, die Abendkleider von Little Black Dress sind Geschichte. Und der Zürcher Concept Store Gris, der sich auf Schweizer Mode spezialisiert hat, hat seine Türen wieder geschlossen. Sind wir übersättigt?

Obwohl die Auswahl international deutlich grösser ist als vor zehn Jahren, haben die Schweizer Labels Soeder mit Pullis, Qwstion mit Taschen und Viu mit Brillen Erfolg. Sie richten sich aber nach dem Markt. Ich habe mit meinem Laden zu Beginn Schweizer Design unterstützt. Realität und Kunden haben mich dann in eine andere Richtung getrieben. Für Marke und Laden gilt: Hinter beidem muss eine Persönlichkeit mit Herzblut stehen.

Was wünschen Sie sich für die aktuelle Mode Suisse?

Ich hoffe, dass mich eines der neuen Labels wie Garnison oder Collective Swallow überrascht, mit ästhetischen, kreativen, aber verkaufbaren Entwürfen. Dass mir während der Modeshow der Gedanke durch den Kopf schiesst: «Wow, diese Entwürfe hänge ich voller Überzeugung in meinen Laden.»

Hinweis

Die Mode verschiedener Schweizer Jungdesigner wie Garnison, Wuethrichfuerst oder Adrian Reber kann man anlässlich der Mode Suisse bis am 9. September bei En Soie in Zürich anprobieren. Am 4. September findet im Schiffbau eine Modeshow mit den Schweizer Designern statt. Weitere Informationen unter: www.modesuisse.com

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