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Muttertagskonzerte im KKL mit einem Überraschungsauftritt

Wie man familiäre Atmosphäre schaffen kann, zeigten am Sonntag die Klarinettistin Sabine Meyer mit dem Kammerorchester Basel und dirigierende Kinder im Muttertagskonzert des Luzerner Sinfonieorchesters.
Gerda Neunhoeffer
Die Klarinettistin Sabine Meyer und das Kammerorchester Basel unter der Leitung von Paul McCreesh. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 12. Mai 2019)

Die Klarinettistin Sabine Meyer und das Kammerorchester Basel unter der Leitung von Paul McCreesh. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 12. Mai 2019)

Was für ein Ende des Konzertes am späten Nachmittag im KKL: Soloklarinettistin Sabine Meyer, die vor der Pause ihren Auftritt hatte, kommt überraschend noch einmal auf die Bühne und überreicht dem Dirigenten Paul McCreesh ein Präsent. Es ist ja aussergewöhnlich, dass ein Solist nach seinem Auftritt noch im Konzert bleibt und dann sogar noch einmal – ohne Instrument – zum Dirigenten kommt. Das wirkt nah und vertraut wie an einem grossen Familienfest.

Familiär ist es auch am Sonntagvormittag, da ruft Dirigent Lawrence Foster den zahlreichen Zuhörern im KKL «Happy Muttitag» zu und erntet hörbare Heiterkeit. Auch das war ein «Muttertagskonzert», jenes des Luzerner Sinfonieorchesters, bei dem Nelson Freire nach der Award-Gala vom Freitag (wir berichteten) einen zweiten grossen Auftritt mit Chopins zweitem Klavierkonzert hatte.

Da dürfen nach der Pause auch die Kinder aus der Musik-Werkstatt in den Konzertsaal, in dem schon viele Familien mit Kindern anwesend sind. Dass die Kinder sich zur Musik von Bizet bewegen, auch gerne mal ein wenig mit dirigieren, stört Musiker und Publikum kaum, es ist eben Muttertag, Familientag.

Roter Teppich für die «Königin der Klarinette»

Das Konzert im KKL am Sonntagnachmittag mit Sabine Meyer wird vom Kammerorchester Basel mit der Ouvertüre zu Mozarts Oper «Le nozze di Figaro» eröffnet. Schwungvoll, scharf akzentuiert und mit sinfonischem Klang breitet die Musik den roten Teppich für die «Königin der Klarinette» aus. Da hebt sich zwar kein Vorhang, aber das Orchester wechselt stilsicher in die kammermusikalische Einleitung zum berühmten Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 von Mozart. Und wie Sabine Meyer dann ihrer Bassettklarinette die ersten Töne entlockt, da weiss man, es ist eine Sternstunde. Sie hat dieses Konzert unendlich oft gespielt, und dennoch wirkt es wie eben neu entdeckt. «Jeder Ton muss wie eine vollkommene Perle sein», sagte einst die Sopranistin Arleen Auger in einem Meisterkurs, und Sabine Meyers Töne haben diese Vollkommenheit.

Und wenn dann mit dem Orchester eine solche Einheit entsteht, dann bleiben keine musikalischen Wünsche offen und gibt es ein besonderes Geschenk zum Muttertag. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Sabine Meyer die Zugabe nicht alleine, sondern gemeinsam mit Orchestermitgliedern spielt. Sie spielen einen Satz aus Mozarts Klarinettenquintett, bieten Kammermusik auf höchstem Niveau, das die Verbundenheit zwischen Solistin und Orchester ebenso unterstreicht wie der «Zusatzauftritt» von Sabine Meyer nach dem Konzert.

Sanfte Poesie und tänzerische Leichtigkeit

In den keinen Ballettmusiken aus Mozarts Oper «Idomeneo» lotet Paul McCreesh feinste Nuancen aus, die von sanfter Poesie über tänzerische Leichtigkeit bis in heftige Dramatik reichen. Das führt er nahtlos in Tschaikowskys Orchestersuite Nr. 4 G-Dur, der sogenannten «Mozartiana», weiter. Da sind zwar die Hörner mit modernen Instrumenten ersetzt, doch der Dirigent behält den klaren, mozartnahen Klang bei. Tschaikowsky fasste seine grosse Mozartverehrung, die er immer hatte, in vier Sätzen über Themen zusammen, die er aus Klavierstücken übernommen und verarbeitet hat.

Leicht, spritzig unbeschwert klingt der erste Satz, im zweiten überwiegen fein ausmusizierte, bisweilen melancholische Melodien. Das «Ave verum corpus» wird zu einem orchestralen ­Gebet, an dessen Ende die Töne ­engelsgleich im Himmel zu ­verschwinden scheinen. Ganz ­irdisch dagegen sind die zehn ­Variationen des letzten Satzes.

Reichliche Girlanden

Und da haben die Musiker Gelegenheit, ihre solistischen Qualitäten voll auszuspielen. So ist die einzige Klarinettenkadenz nicht etwa im Mozartkonzert, sondern hier zu hören. Die Flöten haben reichliche Girlanden zu spielen, alle Holzbläser glänzen, und die Streicher können ihre Einheit in langen Unisono-Läufen zeigen. Dem Konzertmeister ist ein kleines Violinkonzert zugeschrieben, jede Variation hat ihren ganz eigenen Charakter, und manchmal erinnern die Klänge dann doch an Tschaikowskys Ballettmusiken. Es gibt Bravorufe und zu Recht begeisterten Applaus.

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