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Fado, Funk und freie Stühle

Dieses Wochenende fand in St. Gallen zum siebtenmal das «Jazzin» statt. Das Festival für Swing, Funk, Soul und Jazz war geprägt von Spielfreude, starken Frauenstimmen und einem begeisterungsfähigen Publikum. Auch für Hühnerhaut war gesorgt.
Christina Genova/ andreas Stock
Melanie Russo im Duett mit dem Saxophonisten Berti Lampert. (Bild: Michel Canonica)

Melanie Russo im Duett mit dem Saxophonisten Berti Lampert. (Bild: Michel Canonica)

Musik hält jung. Alex Bally jedenfalls ist ein Beweis dafür. Dem renommierten Schweizer Schlagzeuger hat Urs C. Eigenmann, der künstlerische Leiter des «Jazzin»-Festivals, den Freitagabend im Pfalzkeller gewidmet. Bally, einer der Grossen des Schweizer Jazz, kann in wenigen Wochen seinen 80. Geburtstag feiern. Er bekommt von der sechsköpfigen Band und dem Publikum bereits ein herzhaftes «Happy Birthday» gesungen. Ansonsten bestimmen funkige und bluesige Noten den Auftritt. Und Alex Bally führt Eigenmanns Jazzonia-II-Formation rhythmisch souverän durchs Programm; er gibt aus dem Hintergrund den Takt für eine Gruppe an, die so erstmals zusammenspielt. Bassist Stephan Rheinthaler, Gee-K (Gitarre und Gesang), Eigenmann an den Tasten und das Bläsertrio harmonieren ausgezeichnet. Insbesondere Saxophonistin Nicole Johänntgen, Trompeter Michael Neff und Uli Binetsch an der Posaune haben sichtlich Spass. Ihre Spielfreude überträgt sich schnell aufs aufmerksame Publikum, das nicht nur die Soli des Trios kräftig beklatscht, sich vom groovenden Jazz auf der Bühne begeistern lässt. Das liess wohl Veranstalter Urs C. Eigenmann für den Moment vergessen, dass der Saal mit gegen 80 Besuchern eher zu viele freie Stühle im halbrunden Zuschauerraum hatte. Für Alex Bally war der Abend nach dem einstündigen Auftritt plus Zugabe noch nicht zu Ende. Der Altmeister setzte sich für den Auftritt von Sandy Patton & Friends nochmals hinter das Schlagzeug.

Leise Töne und viel Charisma

Drei starke Frauenstimmen dominierten den Samstagabend im Pfalzkeller, der mit rund hundert Besuchern etwas besser gefüllt war als am Freitag. Herausragend war der allzu kurze Auftritt der charismatischen Sydney Ellis. Die zierliche Amerikanerin fand gleich den Kontakt zum Publikum und begeisterte es mit Soul- und Bluesnummern. Ihre 69 Jahre waren der fünffachen Mutter und sechsfachen Grossmutter nicht im entferntesten anzusehen. Souverän begleitet wurde Ellis von der italienischen Bluesband Morblus – kaum zu glauben, dass der gemeinsame Auftritt eine Premiere war. Morblus stand auch Justinia Brown zur Seite, mit der sie schon mehrere Konzerte bestritten haben. Die aus Nigeria stammende Sängerin, die in Zürich und London lebt, bekundete manchmal etwas Mühe, ihre überaus kraftvolle Stimme zu dosieren – leider liess sich auch die Band dazu hinreissen, die Lautstärke immer höher zu schrauben. Leisere Töne waren beim Auftritt von Melanie Russo mit «The new Off & Out», einer weiteren Formation von Urs C. Eigenmann, zu hören. Er hat die sympathische Portugiesin vor einem Jahr in den Ferien getroffen und vom Fleck weg für das «Jazzin» engagiert. Für Hühnerhaut sorgte die Interpretation von «Gente da minha terra» der berühmten Fado-Sängerin Marisa. Überhaupt bewiesen Melanie Russo und «The new Off & Out», welch fruchtbare Verbindung Fado und Jazz eingehen können. Gerne hätte man davon noch mehr gehört.

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