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Die Meistern der ernsthaften Sprache

Die St.Galler Schauspielerin Nathalie Hubler fühlt sich dem Wort verpflichtet. Eine Bühne dafür hat Nathalie Hubler im Theater 111 gefunden, das sie mitbegründet hat.
Bettina Kugler
Eseleien zum Nachdenken: Nathalie Hubler spielt gern gehaltvoll – und sie liebt die schöne, ernste Sprache. (Bild: Thomas Hary)

Eseleien zum Nachdenken: Nathalie Hubler spielt gern gehaltvoll – und sie liebt die schöne, ernste Sprache. (Bild: Thomas Hary)

Ihr Lachen ist ein verständiges und leises; es gibt dem Gespräch mit Nathalie Hubler fein dosierte Würze. Wenn sie nachdenkt, sieht man förmlich, wie intensiv es arbeitet hinter der Stirn. Denn die Schauspielerin, die Rampenlicht gewohnt ist, richtet alle Konzentration auf das Gewicht der Worte. Dem Wort fühlt sich die gebürtige St. Gallerin verpflichtet: dem ernsten, nachdenklichen Wort, der schönen Sprache. In ihrem Programm «Die Göttin aller Dichter» 2016 waren auch Tiere der Worte mächtig, Fuchs, Esel, Wolf und Schaf, Hund und Henne: Lieblingsfiguren der Fabel seit Anbeginn der Gattung.

Ein fabelhaftes Intermezzo

Die Produktion entstand nach einem ersten spielerischen Experiment mit Fabeln zum 25-jährigen Bestehen der Galerie vor der Klostermauer. Damals spielte Nathalie Hubler eine kleine Auswahl im Fenster, mit dem Fensterrahmen als Bühnenbegrenzung. Noch immer sind von diesem fabelhaften Intermezzo so viele Geschichten übrig, dass sie nun «Eseleien» auf die Bühne des Theaters 111 bringt. Einen weiteren Erzählungsreigen mit Schauspiel, Schattenspiel und Puppen; locker verbunden, vergnüglich im Ton, aber mit Tiefsinn. So wie es ihrem Verständnis von Theater entspricht, als einem Ort der sinnlichen Erkenntnis. Als Spassbude sieht sie es nicht. Das rein Unterhaltsame interessiert mich nicht», sagt sie; «Show, Musical, Stücke mit viel Aufwand und wenig Aussage würden nicht zu mir passen. Die Themen finden zu mir oder ich zu ihnen.»

Mit Flüchtlingen aus aller Welt auf der Bühne

Eine Bühne dafür hat Nathalie Hubler im Theater 111 gefunden, das sie mit Pierre Massaux mitbegründet hat. Hier arbeitet sie regelmässig mit Flüchtlingen aus aller Welt in soziokulturellen Theaterprojekten. «Auf der Bühne verlässt jeder sein Ego; es zählt, was man gerade gemeinsam erschafft», sagt sie. «Ich verstehe mich bei diesen Projekten nicht als die Profischauspielerin, die schon alles weiss. Jeder einzelne ist dafür verantwortlich, dass eine gemeinsame Konzentration entsteht.»

Ernsthaftigkeit schätzt Nathalie Hubler auch an Kollegen, mit denen sie zusammenspannt. Mit Kathrin Bosshart beispielsweise stand sie in «L’insoumise: Simone Weil» auf der Bühne. Bei Parfin de siècle gefällt ihr, dass intensiv an den Themen der Stücke gearbeitet wird.

Und die Moral von der Geschicht...

Sie selbst nimmt sich Zeit für ihre Eigenproduktionen, macht nur alle zwei bis drei Jahre eine. In einem kleinen Pensum unterrichtet sie noch Deutsch als Zweitsprache. Das Thema Fabeln, klassischer Schulstoff, hat Nathalie Hubler seit dem Auftritt in der Galerie nicht wieder losgelassen. Dabei nimmt sie es mit der gattungstypischen Moral, der in der Geschichte versteckten Lehre nicht so wichtig. Wo sie in den ausgewählten Texten von Aesop, Romulus, Krylow, Lessing, Heine und anderen explizit vorangestellt oder angefügt wird, hat sie den Satz gestrichen. «Oft sind sie auf die jeweilige Zeit und deren gesellschaftliche Zustände gemünzt», sagt sie. «Die Geschichten jedoch verweisen in Tiergestalt auf allgemeine menschliche Eigenschaften und Verhaltensweisen. Als solche bleiben sie aktuell.» Und führen selbst Esel spielerisch zur Selbsterkenntnis.

Hinweis: Premiere Do 20.9., 20 Uhr, Theater 111, St. Gallen

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