Experiment und Wohlklang

Er hat schon für Arcade Fire, The Hidden Cameras oder die Pet Shop Boys auf seiner Violine gestrichen. Im Palace tritt der kanadische Geigenvirtuose solo, aber mit Orchesterklang auf.

Marc Peschke
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Musikalischer Überfall am Ostermontag: Owen Pallett. (Bild: pd)

Musikalischer Überfall am Ostermontag: Owen Pallett. (Bild: pd)

Owen Pallett firmiert jetzt unter eigenem Namen. Benutzte der junge Kanadier früher den Bandnamen Final Fantasy, so nennt er sich seit seinem dritten Album «Heartland» einfach nur noch Owen Pallett. Der Name hat sich geändert, der musikalische Anspruch ist indes enorm geblieben: Nicht weniger als eine Versöhnung von klassischer Musik und Pop strebt der Geigenvirtuose und Sänger aus Ontario an – wundersam, auf welchem Niveau sie ihm sogar gelingt.

Angelegenheiten des Herzens

Denn an dieser Versöhnung sind schon so viele vor ihm gescheitert: orchestrale Opulenz in Popsongs fliessen zu lassen. Surreales, Märchenhaftes mit Refrains zu verbinden. Experiment und Wohlklang zu vereinen. Pallett, 1979 geboren in Mississauga, Livemusiker von Arcade Fire, gelingt dies, wie man auf seinem aktuellen Album «Heartland» hören kann, das er am Ostermontag auch im St. Galler Palace vorstellen wird.

Es ist eine kompositorisch komplexe, zutiefst romantische, in vielen Momenten auch schwermütige Musik, die sich nicht scheut, tiefste Angelegenheiten des Herzens zum Thema zu machen. «Das Album dreht sich um Anfang, Mitte und Ende einer Liebesbeziehung», erklärt Owen Pallett. «Gesungen wird dabei aus Sicht des Objekts der Begierde.»

Im Zentrum des filigranen, ausschweifenden Miteinanders – eingespielt unter anderem in Prag mit den tschechischen Philharmonikern – steht oft die glasklare Stimme Palletts, der das Drama nicht fremd ist, die aber auch ganz beschwingt klingen kann.

Unzählige Violinenschichten

Wer Owen Pallett schon einmal live gesehen hat, weiss, dass vor allem seine Arbeit mit der Loop-Station spektakulär ist: Unzählige Violinenspuren schichtet er aufeinander, sampelt und loopt diese – und lässt so, nach und nach, ein ganzes Orchester erklingen.

Synthesizer-Pop, die Avantgardemusik des frühen 20. Jahrhunderts, die Klaviermusik der Romantik, Indie-Pop kanadischer Prägung und Art-Pop der Sechziger – das alles kommt bei Owen Pallett zusammen. Das alles und noch viel mehr. Zu entdecken beim Konzert im Palace, wo er wohl nicht mit Orchester, sondern alleine mit vielen Effekt-Geräten und seiner Loop-Maschine zu Gast ist. Und nicht zu vergessen: mit jeder Menge wundervoller Songs im Ärmel.

Owen Pallett wird vom Wiener Ausnahmemusiker Peter Brunner alias Cardiachos unterstützt: «teils verschleppte, teils hymnische, aber immer melancholische Popsongs» werden zur Einstimmung angekündigt.

Mo 25.4., Palace St. Gallen, 21 Uhr (Tür 20 Uhr)