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Olivier Messiaens Werk aus dem Gefangenenlager - in St.Gallen atemberaubend gespielt

Im Zentrum des 4. Meisterzykluskonzerts in der Tonhalle St. Gallen stand Messiaens «Quatuor pour la fin du temps». Den vier Interpreten gelang eine so präzise wie emotional intensive Darstellung.
Martin Preisser
Die Klarinettistin Sharon Kam. (Bild: PD)

Die Klarinettistin Sharon Kam. (Bild: PD)

Manchmal ist Stille im Publikum der beste Gradmesser für musikalisch packende Höhepunkte. Den Atem hielt man an bei dieser atemberaubenden Wiedergabe von Olivier Messiaens «Quatuor pour la fin du temps». Unglaublich, wie Sharon Kam im dritten Abschnitt des Werks, «Abîme des oiseaux», ihre Klarinettentöne buchstäblich aus dem Nichts wachsen liess und unentwegt zeigte: Natur und Spiritualität gehen bei Messiaen Hand in Hand, ja sie werden identisch.

Oft schweigen zwei oder drei Instrumente in diesem 1941 im deutschen Gefangenenlager ­Görlitz komponierten Werk. Und sitzend in Stille schienen die ­jeweiligen Interpreten dennoch mitzuspielen, eben in Stille und Andacht. Wenn dann Klarinette, Klavier, Violine und Violoncello wieder zusammenkamen, wurde dieser Messiaen beim St. Galler Meisterzyklus ein starkes, ja oft ekstatisches Ereignis. Diese Musik hat auch etwas sinnlich Rauschhaftes. Die vier international sehr erfolgreichen Interpreten, alle hörbar erfahren in moderner Musik und ihren instrumentalen Anforderungen, gaben sich diesem Rausch hin, verloren sich aber nie in ihm.

Apokalyptisches in hochpräzisem Guss

Denn es gab immer diesen eleganten Schuss von Objektivität und Transparenz, der das Werk so unbedingt zwingend wirken liess. Die Töne und Skalen, auch Apokalyptisches wie die sieben Posaunen ausdrückend, kamen aus einem hochpräzisen Guss, aus einer intensiv gestalteten Viereremotion. Atemberaubend genau war die Anschlagskultur, die, nach unten und oben Schmerzgrenzen auslotend, vom Finnen Antti Siirala am Flügel ausgelebt wurde. Dazu mit meditativer Ruhe und wunderbarem Gefühl von Zeitfluss Tanja Tetzlaff am Cello, und mit hintergründig reflexiver Feinsinnigkeit von Carolin Widmann auf der Geige.

Alle vier strahlten eine beharrliche Gesamtruhe aus; das religiös wie naturmystisch Programmatische des gesamten Werkes kam unglaublich detailgenau und doch voll aktueller ­Lebendigkeit. Ein denkwürdiger Messiaen. «Nie hat man mir mit grösserer Aufmerksamkeit und solchem Verständnis zugehört», hat der französische Komponist über die Uraufführung im Lager geschrieben. Solcherart Aufmerksamkeit haben auch die vier Interpreten durchaus aufgebaut.

Geheimnisvolle Klangteppiche

Wunderbar, dass Messiaen noch mit zwei weniger oft zu hörenden Kammermusikperlen kombiniert wurde. Ganz und gar er selbst ist Leoš Janáček in den drei Sätzen von «Pohádka». ­Warme Leidenschaftlichkeit, der emotionale in Töne gegossene Sprachduktus des Tschechischen und traumhaft natürliche Rhetorik, die verführerisch wirkt: All diese Ingredienzien vermochten Tanja Tetzlaff und Antti Siirala in oft auch geheimnisvollen Klangteppichen zu präsentieren.

Béla Bartók hat in seinen «Kontrasten» der Klarinette einen besonderen, oft jazzigen Anteil gewährt. Sharon Kam erwies sich schon hier als Klarinettistin der Weltspitze. Das sehnsuchtsvoll Abschied Nehmende des Werks, auch der immer wieder ungarische Einschlag: Dazu trugen auch die Geigerin und der Pianist hochsensibel bei: Bartók von einem Trio, das nicht nur im Finale Genauigkeit und spritzige Klangschärfe souverän verband.

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