Europa vom Rand her denken

«Aufs Äusserste, Europa!» heisst das internationale Literaturfestival in Konstanz, an dem sich Schriftsteller aus dem Herzen Europas mit solchen aus Ländern weit draussen treffen und austauschen.

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Katja Kettu (Bild: pd)

Katja Kettu (Bild: pd)

KONSTANZ. Steht Europa vor einem Nervenzusammenbruch? Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Baden-Württemberg und ganz Europa laden dazu ein, Europa vom äussersten Rand her zu denken und einen Dialog zu wagen: Wo verorten wir uns in diesem Europa: künstlerisch, gesellschaftlich, menschlich? Was erwarten wir von ihm? Und ist es überhaupt noch zu retten?

Uns verbindet mehr als gedacht

In internationalen Tandem-Lesungen, Gesprächen und Diskussionen blicken die Autoren aus dem Herzen Europas in seine Randlagen und darüber hinaus: ins postsowjetische Russland, nach Armenien, Finnland, in die Ukraine und ins ehemalige Jugoslawien. Und stellen fest: Uns verbindet mehr als gedacht. Kriege, Gesellschaftsumbrüche, Familiengeschichten, moderne Arbeitswelten und vor allem eines: die Suche nach Wurzeln und nach neuen, funktionierenden Identitäten in einer globalisierten Welt.

Elf wichtige Autorinnen und Autoren aus sechs Ländern bestreiten das Literaturfestival: Martin von Arndt (Deutschland), Andrej Chadanovic (Weissrussland), Alissa Ganijewa (Russland), Katja Kettu (Finnland), Mely Kiyak (Deutschland), Andrej Kurkow (Ukraine), Jagoda Marinic (Deutschland), Klaus F. Schneider (Deutschland), Tom Schulz (Deutschland), Dragan Velikic (Serbien), Joachim Zelter (Deutschland). An fünf Abenden und an unterschiedlichen Orten lesen sie aus ihren aktuellen Werken und diskutieren darüber.

Verwandtschaft in den Themen

Jeder Abend steht unter einem Thema und stellt je zwei oder drei Autoren vor. Über den «Wundrand Europa» schreibt Alissa Ganijewa, die in «Die russische Mauer» die multiethnische, zersplitterte Gesellschaft Dagestans porträtiert, während Martin von Arndt in «Tage der Nemesis» davon erzählt, wie der Konflikt zwischen Armenien und der Türkei bis nach Berlin reicht. Oder Lyrik über das «Wilde Europa» mit dem Weissrussen Andrej Chadanovic, dem Berliner Tom Schulz und dem Stuttgarter Klaus F. Schneider.

«Aufs Äusserste, Europa!», veranstaltet vom Kulturbüro Konstanz in Zusammenarbeit mit dem Verband deutscher Schriftsteller Baden-Württemberg zu dessen Jahrestagung, findet im Rahmen von «600 Jahre Konstanzer Konzil» statt. (dl)

• Do 11.9., 20 Uhr, Bürgersaal: Martin von Arndt, Alissa Ganijewa • Fr 12.9., 18.30, Speichersaal: Andrej Chadanovic, Klaus F. Schneider, Tom Schulz • Fr 12.9., 21 Uhr, Spiegelhalle: Andrej Kurkow, Joachim Zelter • Sa 13.9., 20 Uhr, K9: Katja Kettu, Mely Kiyak (22 Uhr, K9: European Clubnight) • So 14.9., 11 Uhr, Rosgartenmus.: Dragan Velikic, Jagoda Marinic

Andrej Kurkow (Bild: pd)

Andrej Kurkow (Bild: pd)