Europa ganz leicht

Am Freitag präsentiert die Schlagerband Europa im Palace St. Gallen neben ihrem neuen Programm auch den Essayfilm «We Are OK». Dabei sieht man Reiseaufnahmen aus Indonesien, Vietnam, Hongkong, Tansania, Dubai – und aus der Schweiz.

Marco Kamber
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«Europa heisst die neue Leichtigkeit»: Die Schlagerband posiert im Schloss – und tritt übermorgen in St. Gallen auf. (Bild: pd/Winnie Lau)

«Europa heisst die neue Leichtigkeit»: Die Schlagerband posiert im Schloss – und tritt übermorgen in St. Gallen auf. (Bild: pd/Winnie Lau)

ST. GALLEN. Man sieht nicht viel. Nur die dunklen Silhouetten von vier Personen. Es ist Abend, an irgendeiner Küste. Sie tragen Lanzen und Palmwedel. So europäisch wie ihr Name ist, scheinen sie nicht: «Europa heisst die Band der neuen Leichtigkeit» steht unter dem Foto auf ihrer Webseite. In drei Sprachen.

Das Logo der Band weist auf den Mythos der Europa hin, die von Zeus in Gestalt eines Stiers entführt wurde. Dieser Mythos ist auch Material für eines ihrer Lieder: Während die Strophen rotzig davon singen, dass Europa sich absichtlich vom Stier habe entführen lassen und die armen Menschenmänner mit gebrochenen Herzen zurückbleiben, ist der Refrain lieblich: Und wenn ich jetzt nachts zum Himmel hochschau / seh ich dich reiten auf dem Stier / du bist im Sternenkreis die schönste Frau / und du weisst, mein Herz gehört dir.

«Wir machen Schlager»

«Unsere Musik ist ein Kniefall vor dem Leben, der Schönheit und der menschlichen Natur mit all ihren Absurditäten», sagt Sänger Jonas Bischof. Und betont, dass das, was Europa macht, lupenreiner Schlager sei. Vielleicht wäre Post-Schlager schon passender, da hierzulande der Schlager zwar boomt, sich aber vor allem versteckt in organisierten Car-Konzertreise-Gesellschaften manifestiert. Doch ja – die schlagerartige Note ist nicht zu leugnen. In den Texten wie auch musikalisch: So passen die ehemaligen Ostschweizer (Appenzell, Thurgau, St. Gallen) und heutigen Wahl-Basler ihre Melodien theatralisch dem entsprechenden Text an.

Clip mit Ai Weiweis Neffen

Die schnulzige Ballade «Lass uns noch einmal…» wird gegen Schluss von einem anrüchigen Saxophonsolo zugedeckt – da leuchten die roten Glühbirnen vor dem geistigen Auge. Oder das wilde «Afrika-Baby» – ein musikalischer Klischee-Spielplatz – hoppelt, begleitet von der lustig-schnellen Zupfgitarre, über die Prärie. Zuspitzen können die Männer auch in ihren Videoclips. Samuel Weniger, Schlagzeuger und Regisseur, nimmt mal eine pastellene Blumenwiese in den Fokus und vergisst dabei die Karaoke-Mitsingschrift nicht. Das klingt fahl – doch Europa sind es nicht. In einem anderen Clip sehen wir einen Neffen des verfolgten Künstlers Ai Weiwei, der eigentlich unter Arrest stünde, aber für Samuel Wenigers Video quer durch Hongkong rennt.

Die grosse Lust finden

Und doch betonen die vier Musiker, dass sie keinerlei politischen oder ideologischen Absichten hätten. «Uns geht es um eine ästhetische Haltung», sagt Bischof. Und darin liegt die erfrischende Frechheit der Gruppe Europa, die einem nicht mehr aus dem Kopf geht: Ohne nihilistisch zu wirken, lassen sie die wirklich drastischen Themen als solche leben. Sie ziehen an ihnen vorbei und wollen nur eines finden: den Moment, in dem aus der zähen allgemeinen Unlust die grosse Lust hervorwächst.

2012 erschien das Débutalbum «Kultur & Gesellschaft». Im selben Jahr reiste Europa nach Indonesien zu einer traditioneller Hochzeit, an der die Band spielte, und tourte in Hongkong. Daraus entstand der Essayfilm «We Are OK». Er und das neue Album feiern am Freitag Premiere. Ob daraus ein Hit wird?

Fr, 21.11., 22 Uhr (Tür 21 Uhr), Palace, St. Gallen: Europa. Neue Leichtigkeit; Jackie Steinadler & Susie Nightingale; DJs