Es war ein Rolling-Stones-Moment

Auf ihrem vierten Album «What Went Down» entdeckt die britische Band Foals die Freuden des Rock und fühlt sich damit hörbar wohl. Dabei haben sie bis vor kurzem regelrecht Angst gehabt, als Rockband bezeichnet zu werden.

Hanspeter Künzler
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Die Bandmitglieder von Foals kommen zum Schreiben ihrer Lieder immer wieder nach Oxford zurück. (Bild: Warner Music/Nabil Elderkin)

Die Bandmitglieder von Foals kommen zum Schreiben ihrer Lieder immer wieder nach Oxford zurück. (Bild: Warner Music/Nabil Elderkin)

In den letzten Jahren ist in England eine neue Art von Bands herangewachsen: Gruppen wie Wild Beasts, Django Django, Editors oder eben auch Foals, die mit der üblichen Besetzung mit Gitarren/Drums/Bass und Keyboards aussergewöhnlich raffiniert arrangierte Lieder machen, in denen es aber auch mal richtig krachen kann. Lieder zudem, deren Refrains nicht immer auf den ersten Blick zu erfassen sind und deren Texte sich auch einmal mit schwergewichtigen Themen auseinandersetzen können.

Oxford ist ein guter Ort

Etliche dieser Bands geniessen beachtlichen kommerziellen Erfolg. Sie dürfen an den Festivals zwar nicht ganz als Headliner auf die Bühne treten, aber der stimmungsvolle Sonnenuntergang gehört ihnen, und auch in den Charts belegen sie die vorderen Plätze. Die geistigen Wurzeln dieser Gruppen sind nicht schwer auszumachen. Bei den meisten dürfte eine stolze Zahl von Radiohead-Alben im Regal stehen. Foals stehen Thom Yorke und seinen Radiohead-Genossen sogar noch näher: auch sie sind in Oxford aufgewachsen. «Oxford war eine wichtige Membrane, die uns vor der restlichen Welt beschützte», erinnert sich Sänger und Songschreiber Yannis Philippakis. «Oxford ist eine selbstgenügsame Stadt. Es gibt eine Menge Dinge, mit denen man sich beschäftigen kann, ohne dass Einflüsse von aussen den Gedankengang stören.» Weil die Szene nicht mit Bands übersättigt ist, sei der Druck, in irgend einer Form einen Trend anzuführen, gering. «Oxford war gut zu uns.» sagt Philippakis. «Einige von uns leben inzwischen zwar anderswo. Aber zum Schreiben der Lieder begeben wir uns weiterhin zurück nach Oxford. Man kann sich dort konzentrieren und bleibt mit den Füssen auf dem Boden der Realität.»

Der erste Touch ist der beste

Nach den zeitraubenden klanglichen Experimenten, welche ihr letztes Album «Holy Fire» prägten, schlagen Foals auf den neuen Album deutlich gradlinigere Wege ein. Derweil die Rhythmen keineswegs so unkompliziert sind, wie sie auf den ersten Blick wirken mögen, kommen die Refrains doch eine Spur schneller zur Pointe. «Wir wussten von Anfang an, dass der Arbeitsprozess diesmal lockerer vonstatten gehen sollte», berichtet Philippakis. «Wir wollten diesmal auf das <prima vista>-Prinzip bauen: der erste Touch ist der beste Touch», sagt der Sänger. Früher hätten sie regelrecht Angst gehabt, als Rockband wahrgenommen zu werden. «Das hatte für uns irgendwie einen schmutzigen Beigeschmack.» Doch dann seien sie plötzlich mit «Inhaler» dagestanden: Einem epischen Rocksong auf ihrem letzten Album. «Wir entdeckten, wie erfüllend es nur schon auf körperlicher Ebene war, einen solchen Song live zu spielen, und wie es uns dem Publikum näherbrachte.» Sie hätten regelrecht danach gedürstet, ein paar Lieder mehr in dem Stil im Programm zu haben, sagt Yannis Philippakis.

«Wir haben so was verdient»

Für die Aufnahmen begab sich die Band mit Produzent James Ford zwei Monate lang in ein luxuriöses und idyllisches Studio in der Provence. «Unsere früheren Aufnahmen entstanden bei grauem Wetter in schmucklosen Studios,» erzählt Philippakis: «Die Provence war für uns eine Art Rolling-Stones-Moment. Wir haben so was endlich mal verdient.» Der Band sei es heute wohl in ihrer Haut wie noch nie. Die kreative Kommunikation funktioniere optimal. «Aber ich denke nicht, dass dieses Gefühl lang anhalten wird. Eine Band kann nicht ewig zufrieden sein. Der Drang, neue Wege zu suchen, gerade eben nicht zufrieden zu sein, ist eine fundamentale Antriebskraft. Die Probleme stellen sich ein, wenn man zu lang zu zufrieden ist.»

Foals: «What Went Down», Warner Brothers, 2015