Es lässt sich nicht alles beweisen

Der Schriftsteller, Verleger und Okkultist Charles F. Frey alias Akron gibt unter dem Titel «Die 7 Pforten des Geistes» ein weiteres Buch heraus. Es soll in einer konzentrierten Form alle vorausgegangenen über zwanzig Bände zusammenfassen.

Brigitte Schmid-Gugler
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Der Schriftsteller Charles F. Frey mit seinem neuesten und (vielleicht) letzten Buch. (Bild: Urs Jaudas)

Der Schriftsteller Charles F. Frey mit seinem neuesten und (vielleicht) letzten Buch. (Bild: Urs Jaudas)

Akron, Sie schreiben, Ihr neues Buch, dessen Vernissage bevorsteht, sei ihr letztes. Heisst das, es gibt Ihrerseits nichts mehr zu sagen zu den grossen Fragen der Menschheit?

Akron: Meine früheren Bücher waren immer auf ein bestimmtes Publikum ausgerichtet. Nun habe ich, nach einer langen und beschwerlichen Phase der Rekonvaleszenz, alles früher Verfasste nochmals zu einem Konzentrat zusammengefasst, das für eine Allgemeinheit verständlich sein soll.

Was ist passiert?

Akron: Ich lag nach einem schweren Unfall monatelang im Spital. Ein Auto, das in der Einbahnstrasse rückwärts fuhr, hatte mich erfasst. Ich stand am Rande in meinem Garten, weil ich einen Baum fällen musste. Diese Erfahrung hat mein Unterbewusstsein geschärft; alles lief durch mich durch – Zusammenhänge, Bilder. Ich benötigte für die Niederschrift der Buchtexte, die sonst die Zeit von einem oder zwei Jahren in Anspruch nehmen, zwei Monate.

Der grösste Teil des etwas über 200seitigen Werks ist als Interview aufgebaut. Doch es lässt sich nirgends ein Name eines Fragestellers, einer Fragestellerin finden.

Akron: Ich habe mir die Fragen selbst gestellt. So konnte ich meine Gedankengänge am besten reflektieren.

Wirkt das nicht ein bisschen manipulierend auf die Leserschaft, weil so ja gleich alle Widersprüche ausgemerzt werden?

Akron: Gegenfrage: Haben Sie diesen Eindruck?

Ja. Der Untertitel des Buches lautet: «Gespräche mit dem alten Magus». Es müsste dann eher heissen: «Selbstgespräche».

Akron: Es ist, wie ich zu Beginn sagte, ein Anklopfen aus einer anderen Bewusstseinsebene. Nur besitze ich heute mehr Gelassenheit, muss keine Verkaufszahlen mehr im Fokus haben, sondern kann mich, auch heute noch als grosser Skeptiker, den 7 Pforten des Geistes zuwenden.

Sie kreisen in dem Buch um die alten Themen wie Geist, Illusion, Realität, Irrationalität, Bewusstseinszustände, Dämonen. Das ist nichts Neues und steht so oder ähnlich in ihren früheren Büchern sowie in zahlreichen weiteren esoterisch-trendigen Werken.

Akron: Ich meinte, eine gewisse Logik hineinbringen zu können zu vielen früher entwickelten und vielleicht schwer verständlichen Theorien. Man wollte mich ich die Ecke von Okkultismus und Satanismus drängen, übersah und überhörte aber, dass ich schon in den frühen Werken das Bankgeheimnis und die gefährliche Dynamik des ungebremsten Wachstums kritisierte. Mit dem Dämonisierenden meinte und meine ich die aggressiven, zerstörerischen Energien, in denen wir oft gefangen sind. Wir müssen lernen, uns nicht zu viel gefallen zu lassen, wir müssen mehr hinterfragen, nicht alles glauben, was man uns auftischt.

Sie tischen uns ja aber auch ziemlich viel auf. Da steht zum Beispiel der Satz: «Jeder Mensch besitzt in sich die Kraft zum Sieg, wenn Wille und Vorstellung miteinander verschmelzen.»

Akron: Das muss man natürlich in einem Kontext lesen. Und man soll nicht alles glauben. Ich glaube ja selbst nicht alles. Handkehrum: In allem steckt eine Wahrheit drin. Ich will damit sagen, dass alles relativ ist. Alle Erkenntnisse in der Forschung, alles angehäufte Wissen, alles das, was man sein Leben lang eingeträufelt bekommt.

Das Titelbild sieht aus wie der Beginn eines Horrorfilms: Aufgerissene Münder, Entsetzen in den Augen. Ist das der entsprechende Aufschlag zu Ihrer Bilanz?

Akron: Das Bild und alle Zeichnungen im Buch stammen von der Sängerin und Zeichnerin Patricia Cooney. Sie hat sich intensiv mit dem Inhalt auseinandergesetzt und wird übrigens an der Vernissage einige Songs der gleichzeitig erscheinenden CD vortragen. Was ihre künstlerische Reaktion auf meine Texte betrifft, kann ich nur sagen, dass sie, auch wenn sie noch nicht einmal dreissig Jahre alt ist, meine Erläuterungen sehr gut interpretiert hat. Es geht mir darum, aufzuzeigen, dass es Dinge gibt, die kein Expertentum einordnen kann. Vielleicht mag diese Erkenntnis und die Möglichkeiten, die sich gleichzeitig mit ihr auftun, ein Erschrecken auslösen.

Vernissage mit Lesung und Konzert Freitag, 11.10. Kaffeehaus, Linsebühlstrasse 77, 19.30 Uhr

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