Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Operette Sirnach: Es ist Ball, und vorne faucht der Vulkan

Auf den ersten Blick ist «Ball im Savoy» von Paul Abraham ein harmlos-doppelbödiger Spass. Doch Leopold Huber formt daraus in seiner Inszenierung für die Operette Sirnach ein schwungvoll-modernes und teils bedrückendes Stück.
Rolf App
«Ich will Revanche»: Im «Savoy» hat Petra Halper König als Madeleine einen starken Auftritt. (Bild: Operette Sirnach)

«Ich will Revanche»: Im «Savoy» hat Petra Halper König als Madeleine einen starken Auftritt. (Bild: Operette Sirnach)

Wo zu Beginn die Bilder einer langen Hochzeitsreise über die Leinwand geflackert sind, marschieren im zweiten Teil der neuen Produktion der Operette Sirnach Nazi- und andere Horden. Langsam geht eine Frau mit Davidstern über die Bühne.

Es ist die Hommage des Regisseurs Leopold Huber an die Geschichte des Stücks: Am 23.Dezember 1932 hat die Operette «Ball im Savoy» in Berlin Premiere gefeiert, schon einen Monat später ist ihr gerade vierzig Jahre alt gewordener Komponist Paul Abraham über alle Berge. Lieber gibt er sein Vermögen her als sein Leben.

Die Frage lautet stets: Wer geht mit wem ins Bett?

Abraham weiss, was er als Jude von den Nazis zu erwarten hat, und geht zurück in seine Heimat Ungarn. Als Österreich 1938 annektiert wird, flieht er über Paris und Havanna nach New York, wo es ihm nie gelingt, wirklich Fuss zu fassen. Und wo er 1946 in die Psychiatrie eingeliefert wird. Zehn Jahre bleibt er dort, an den Spätfolgen einer Syphilis leidend, kehrt 1956 nach Deutschland zurück und bekommt in seiner neuen Klinik ein Klavier. Es ist in den letzten vier Jahren seines Lebens die wichtigste Therapie des gleichmütig-freundlichen Patienten, dessen Operetten derweil eine Renaissance erleben.

Der kleingewachsene Paul Abraham hat es geliebt, mit grossgewachsenen Blondinen auszugehen, und in seinen Operetten geht es denn vor allem um eines: Wer geht mit wem ins Bett? Und in frivoler Zuspitzung: Wer betrügt wen mit wem?

Doch Madeleine dreht den Spiess um

Natürlich sind es vor allem die Frauen, die betrogen werden. Es sei denn, eine dreht den Spiess um, wie Madeleine de Faublas in «Ball im Savoy». Kaum zurückgekehrt von ihrer Hochzeitsreise mit dem Marquis Aristide, sieht sie ihren Mann mit seinem türkischen Freund Mustafa Bey ein Komplott schmieden. Tangolita hat sich angesagt, eine von Aristides Verflossenen, und will ihn im Savoy treffen. Auch Madeleine macht sich mit ihrer amerikanischen Freundin Daisy dorthin auf. Und sie begnügt sich keineswegs damit, Aristide zu ertappen.

Ihre turbulente Handlung ­packen die Librettisten Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda in witzige Dialoge und rasante Szenen, und Paul Abraham liefert dazu mit seiner Mischung aus Jazz, Wiener Schmelz und Klezmer eine spritzige Musik. Für die Operette Sirnach ist das eine dankbare, aber auch sehr anspruchsvolle Aufgabe.

Auch die Nebenrollen sind mit Geschick besetzt

Dirigent Andreas Signer nimmt sich mit seinem Orchester des musikalischen Parts an. Auf der Bühne gefordert sind vor allem die zwei Darstellerpaare. Den schlitzohrigen Verführer Mustafa Bey spielt Giuseppe Spina ebenso lust- wie temperamentvoll, in der leichtfüssigen Daisy von Stefanie Gygax findet er schliesslich Ehefrau Nummer sieben. Grössere Klippen überwinden muss Petra Halper König als Madeleine. Stimmlich bis an die Grenze gefordert, balanciert sie eindrucksvoll an der Grenze zum Tragischen. Sie will sich nicht alles gefallen lassen, was Sebastian Brummer als ihr Ehemann Aristide nur schwer begreift. Augenzwinkernd begleitet Bastian Stoltzenburg als Diener die Geschehnisse, auch andere Nebenrollen sind mit Geschick besetzt.

Der Chor spielt eine zentrale Rolle

Eindrucksvoll ist vor allem, wie Leopold Huber, der auch das schlichte, auf den Bauhaus-Stil zurückgreifende Bühnenbild entworfen hat, den Chor in stets wechselnden Formationen auftreten und agieren lässt. Dieser Chor macht in immer wieder neuen, von Jacqueline Kobler entworfenen Kostümen die Szenen zu einem Fest fürs Auge. Wozu auch ganz wesentlich Jasmin Haucks Choreografie beiträgt.

Dass einige Chormitglieder dann im zweiten Teil schon Hakenkreuzarmbinden tragen, verweist noch einmal auf die Zeit, die dieses Werk hervorgebracht hat. Die Menschen damals, sie tanzten auf dem Vulkan, der denn auch immer wieder mal auf der Bühne faucht und zischt.

Zahlreiche Aufführungen bis zum 6. April

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.