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Beklemmendes Solotheater: «Es gibt keinen Weg hier raus»

Ein experimentelles Einpersonenstück präsentiert die Theatergruppe Das Klima im Theater 111. Eveline Ketterer spielt in «Die niederen Instinkte» moderne Ängste, Sehnsüchte und strukturelle Gewalt.
Markus Wigert
Eveline Ketterer als komplett isolierte Figur Conny. (Bild: PD)

Eveline Ketterer als komplett isolierte Figur Conny. (Bild: PD)

Man stelle sich ein Leben ohne soziale Kontakte vor. Komplett abgeriegelt von der Aussenwelt in einem sterilen Raum. Für das Allernotwendigste wird zwar gesorgt, es scheint aber eine lückenlose Überwachung in dieser Einzelhaft stattzufinden. Klopfzeichen mit Morsebotschaften sind in regelmässigen Abständen zu hören. Auf der Bühne kniet zusammengekauert Conny, eine Frau Mitte dreissig, weiss gekleidet, allein, völlig isoliert und antwortet auf die mysteriösen Klopfzeichen. Sie schwankt zwischen Euphorie und bodenloser Depression: Manchmal tanzt sie ausgelassen zu feurigen Sambarhythmen, um dann unvermittelt wieder in einer sinnlosen Beschäftigung zu versinken und in Gedanken um sich selber zu kreisen. Diese Gedanken formuliert sie in einem schier endlosen Monolog, dessen Sinn nur schwer zu enträtseln ist. Klaustrophobie macht sich zunehmend breit.

Isolation stumpft die Sinne ab

Im hilflosen Versuch, der Sinnlosigkeit eine Struktur zu geben, erfindet Conny, verkörpert von der Schauspielerin Eveline Ketterer, allerlei Beschäftigungen: sie isst regelmässig von einem Tablett, putzt den Tisch sorgfältig ab, poliert freudig erregt die kargen Möbelstücke, jagt immer wieder einer Fliege nach, schminkt die Lippen, antwortet auf die mysteriösen Klopfzeichen, stöhnt aus dem Off im Sexrausch, tanzt ausgelassen Samba und bastelt aus ihrer Socke mit Hilfe eines Apfels eine Handpuppe. Joshi, wie sie die Puppe nennt, wird zum sehnlichst vermissten Gesprächspartner, der auch Mutterinstinkte weckt. Mit der Puppe werden die Monologe zu Dialogen, die nun immer intensiver geführt werden. Zärtlichkeiten verwandeln sich in urplötzliche und intensive Auseinandersetzungen. Conny beschuldigt die Puppe, durch ihr arrogantes Verhalten für eine verschärfte Kontrolle von aussen verantwortlich zu sein. Handkehrum singt sie ihrem Liebling ein zärtliches Wiegenlied. Eveline Ketterer zeigt eine authentische schauspielerische Leistung, die auf übertriebene Effekte weitgehend verzichtet und die Rolle organisch aus der eigenen Person heraus entwickelt. Ihre Bühnenpräsenz während des langen Stücks ist beeindruckend. Was bleibt übrig, wenn die Aussenwelt und die soziale Struktur wegfällt? Conny antwortet auf der Bühne mit einem herzzerreissenden Aufschrei existentieller Not: «Hier drin ist doch alles bedeutungslos. Lieber tot als hier!»

Hinweis
Vorstellungen: 9./10./11. Mai, 20 Uhr, Theater 111, St. Gallen

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