«Es geht um Zukunftsängste»

Kino Marc Forster, der Schweizer Filmer in Hollywood, hat sich mit «World War Z» einem für ihn neuen Genre zugewendet. Er erzählt, was ihn an Zombies interessierte und wie die Arbeit mit Brad Pitt verlief. Rolf Breiner

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Von Untoten bedrängt: Brad Pitt als UNO-Mitarbeiter Gerry Lane im Zombie-Actionfilm «World War Z». (Bild: Paramount Pictures)

Von Untoten bedrängt: Brad Pitt als UNO-Mitarbeiter Gerry Lane im Zombie-Actionfilm «World War Z». (Bild: Paramount Pictures)

Seit dem Jahr 2000 versucht der Filmer mit Bündner Wurzeln sein Glück in Hollywood. Mit dem Drama «Monster's Ball» gelang Marc Forster der Durchbruch, und für Filme wie «Finding Neverland» und «The Kite Runner» erhielt er viel Kritikerlob und hatte Erfolg beim Publikum. Mit dem Bond-Abenteuer «Quantum of Solace» festigte er seinen Namen als Regisseur. Doch sein letzter Film «Machine Gun Preacher» (2012) floppte erheblich. Forster war gefordert.

Herr Forster, wer oder was hat Sie auf Zombies gebracht?

Marc Forster: Ganz einfach Brad Pitt. Er hat mir das Buch geschickt und vorgeschlagen, daraus einen Sommer-Blockbuster zu machen.

Zombies sind eine Metapher, ein Spiegelbild.

Für ausser Rand und Band geratene Massen, welche die Gesellschaft bedrohen?

Forster: Vielleicht. Schon bei den Zombie-Filmen von George Romero werden sozialpolitische Aspekte angesprochen: Metaphern für Massen, die aufbegehren. Sie sind auch Bilder für eine Zeit der Überbevölkerung und für Menschen, die den letzten Ressourcen nachjagen – ohne Respekt voreinander.

Normalerweise schlurfen Zombies ungelenk daher. Bei Ihnen rasen sie teilweise wie Furien. Warum?

Forster: Ich habe die Figuren und ihre Bewegungen entwickelt, etwa vom Biss bis zum Anfall. Es ist, als seien diese Menschen von einem Virus, einer Epilepsie infiziert. In der Masse werden sie zu Schwärmen. Ich habe dabei an Vogel- oder Fischschwärme gedacht. Menschenmassen, die keine Koordination haben, aber irgendwie verkettet sind, und sich auf ihre Opfer stürzen.

Sie bedienen mit «World War Z» den Trend apokalyptischer Filme.

Forster: Einerseits lag es natürlich in meiner Absicht, einen Blockbuster zu produzieren, andererseits bietet das Thema die Möglichkeit, Sozialpolitisches anzusprechen. Es geht um Zukunftsängste in unserer Gesellschaft. Das betrifft die Wirtschaft wie das soziale Umfeld.

Es gab einigen Medienwirbel um verschiedene Autoren, um Nachdreharbeiten, Kostenüberschreitungen und Krach mit Brad Pitt. Was hat sich zugetragen ?

Forster: Das Problem war nach 84 Drehtagen, dass ich ein anderes Filmende wünschte – keine Riesenschlacht, sondern eher etwas Privates. Ich dachte an ein einfaches, nachdenkliches Ende – mit Brad Pitt und einem Zombie. Das hat zusätzliche vier Wochen gekostet.

Der Film ist gleichwohl autorisiert als Director's Cut?

Forster: Ja. Ich war vertraglich verpflichtet, eine Version zu machen, um das Alter der Besucher tief zu halten. Aber ich werde eine Unrated-Version herausbringen. Ich musste einige Szenen schneiden, die ich gern im Film gehabt hätte. Es geht vor allem um blutige Szenen, etwa zehn Minuten.

Wie gross war der Einfluss von Brad Pitt auf den Film?

Forster: Auf der einen Seite war er der Hauptdarsteller auf dem Set – und sehr professionell: auf der anderen Seite war er auch der Produzent. Er hat diese Funktionen aber nicht vermischt.

Sie sind also mit Brad Pitt gut ausgekommen?

Forster: Wir haben uns sehr gut verstanden, und er ist sehr zufrieden mit dem Film. Am Ende sind wir ein Team, und viele Meldungen über Streit zwischen uns sind aus der Luft gegriffen.

Wären Sie bereit, bei einem reizvollen Stoff und entsprechender Produktion auch in der Schweiz zu arbeiten?

Forster: Ja. Einen Film in der Schweiz zu machen wäre schön. Aber der Druck wäre viel höher als etwa in Hollywood. Wenn der Film in der Schweiz nicht gut ankäme, täte mir das sehr weh.

Was hätten Sie in Ihrer Karriere gern anders gemacht?

Forster: Beim Bond-Film – dazumal herrschte Autorenstreik – hätte ich das Drehbuch weiterentwickeln sollen. Es war einfach zu unreif. Doch der Druck vom Studio war zu gross.

Würden Sie nochmals einen Bond-Film drehen?

Forster: Ja, ich mag die Produzenten, aber es käme aufs Drehbuch an. Barbara Broccoli und Michael G. Wilson wollten auch, dass ich «Skyfall» mache. Aber ich wollte damals einfach keinen weiteren Bond drehen.

Ab morgen in den Kinos

Marc Forster Regisseur (Bild: Quelle)

Marc Forster Regisseur (Bild: Quelle)