«Es geht nur ums Tanzen»

Martin Gretschmann macht unter vielen Namen Musik – als Sound-o-naut bei The Notwist oder als Console. Jetzt nennt er sich Acid Pauli und sagt, an seinen Konzerten gebe es nichts zu sehen.

Marc Peschke
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Der Volksmusikant: Martin Gretschmann will Musik für alle machen. (Bild: pd)

Der Volksmusikant: Martin Gretschmann will Musik für alle machen. (Bild: pd)

Martin Gretschmann hatte als Musiker schon viele Namen. Er nannte sich Sound-o-naut, wenn er The Notwist elektronisch verstärkte, hinter seiner riesigen Brille und Computertürmen verschwand – und die Rechner flirren liess. Viele Jahre produzierte er in seinem Weilheimer Geheimlabor unter dem Namen Console wunderbare elektronische Musik, abstrakt, aber manchmal auch mit umwerfenden Pop-Appeal. Beinahe schon unsterblich ist sein «14 zero, zero» oder auch der «Freiburg»-Remix nach dem Klassiker von Tocotronic.

Und jetzt hat der oberbayrische Musiker – der auch mit 13 & God für Furore sorgte – schon wieder einen neuen Namen. Acid Pauli heisst ein weiteres Projekt, bei dem Gretschmann als Musiker beinahe verschwinden will, wie er sagt: «Da gibt es nichts zu sehen, ausser einem Typen, der auf seinen Bildschirm starrt. Es geht eigentlich nur ums Tanzen.»

Warmer, melodischer Techno

Acid Pauli remixte bereits im Jahr 2004 Johnny Cashs «I See A Darkness», bald danach erschien eine Maxi-Single beim Münchner Label Disko B. Und wie klingt der mittlerweile in Berlin lebende Gretschmann alias Acid Pauli? Eigentlich nicht viel anders als Console vor etwa zehn Jahren, wie man auf seinem Album «Mst» hören kann: Warm und melodisch ist seine Idee von Techno, Genres wie Krautrock und Indie-Pop streifend, Geräusche liebend.

Viel Melancholie steckt in dieser elektronischen Musik, die sich mal minimalistisch gibt, dann handfester, treibender. Viele Klänge stecken hier drin, mal zupfen Saiten, dann klickt oder raschelt es, dann hört man Schritte. Bis heute ist Martin Gretschmann ein Freund des Experiments geblieben: Das Werkeln und Frickeln am Sound, das ist seine Sache.

Musik fürs Volk

Hip-Hop, Ambient, House – all das kommt bei Gretschmann zusammen, der seine Idee von Musik einmal so beschrieben hat: «Ich finde die Art und Weise, wie sich Oskar Maria Graf gesehen hat, als Volksdichter, total schön. So sehe ich mich auch ein bisschen, nur eben im musikalischen Sinn: als Volksmusikant. Ich mache Musik fürs Volk und nicht für eine akademische Minderheit, die alles analysieren und interpretieren muss. Elitäre Musik – das ist genau das, wo ich mich eben nicht sehe. Ich mache Musik für jeden.» Und jetzt ist der Mann, der Musik für jeden machen will (dabei aber gar nicht so klingt), im Palace zu Gast. Man darf einen grossen Abend erwarten, zwischen Clubmusik und Pop, zwischen Song und Track. Die Türen öffnen sich um 22 Uhr, getanzt wird die ganze Nacht.

Ein Barbetreiber soll einmal zu Martin Gretschmann gesagt haben: «Weisst du, wenn du auflegst, dann schauen die Leute nicht mehr den Boden sondern sich gegenseitig an.» Oder anders: ein «Mix aus Freundlichkeit und Gelassenheit». Ein Mix, der auch im Palace überzeugen wird. Denn Gretschmann ist bis heute der Sound-o-naut der Herzen geblieben. Der langhaarige bayrische Freak mit der grossen Brille ist anders als viele allzu kühle, coole Elektroniker. Er macht grenzenlosen Elektro-Pop für Menschen, die gerne zwischen allen Stühlen sitzen.

Ein DJ-Set wie in den Bergen

Und auch für solche, die ein DJ-Set nicht als etwas Lineares begreifen, wie Gretschmann in einem Interview erzählt hat: «Irgendwann hat mal jemand in Berlin zu mir gesagt, dass meine DJ-Sets immer wieder Brüche haben oder mal wieder nach oben gehen, nach unten und so weiter, und dann meinte mein Gegenüber ganz lapidar <Ja, Martin, aber das ist völlig normal, dass Du solche Sets spielst, weil Du aus den Bergen kommst. Da geht es halt immer wieder nach oben und wieder nach unten.>»

Fr, 22.2., Palace, 22 Uhr

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