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Claude Sandoz im Kunstmuseum:
Es führen viele Wege ins Paradies

Seit über 20 Jahren verbringt Claude Sandoz einen grossen Teil des Jahres auf der Karibikinsel St. Lucia. Das Kunstmuseum Luzern stellt den einst als «Shootingstar» der Schweizer Kunst gefeierten Weltenbummler ins Zentrum einer Gruppenausstellung.
Julia Stephan
Claude Sandoz: «Out Of A Paradise, Three Happy Fishermen At Easter I, St. Lucia». (Bilder: Kunstmuseum Luzern/M. Latzel/R. Baumann)

Claude Sandoz: «Out Of A Paradise, Three Happy Fishermen At Easter I, St. Lucia». (Bilder: Kunstmuseum Luzern/M. Latzel/R. Baumann)

Manche Künstler haben nie ein fremdes Land zu Gesicht bekommen. Sie hatten es trotzdem so stimmungsvoll vor Augen, dass es ihrer künstlerischen Vision keine Grenzen setzte. Andere wiederum sind viel gereist. Ein realistisches Bild wollten sie trotzdem nie vermitteln. Man denke da an die Tahiti-Fantasien eines Paul Gauguin (1848–1903) oder an die von der Insel Palau inspirierten Arbeiten des deutschen Expressionisten Max Pechstein (1881–1955).

Einer von Pechsteins gemalten Südseeträume weiblich-üppiger Inselschönheiten aus der hauseigenen Sammlung hängt derzeit im Eingangsbereich zur neuen Ausstellung «Ab auf die Insel!» des Kunstmuseums Luzern. Die fragt pünktlich zur Sommerzeit: Was machen Reise­eindrücke mit künstlerischer ­Produktion? Was für einen Imaginationsraum öffnet sich in der Fremde? Die Gruppenausstellung wurde um einen Vielgereisten herum gruppiert: den Künstler Claude Sandoz. In den letzten Monaten hat er im Luzerner Café Arlecchino und im Kunstraum Benzeholz in Meggen mit seinen Assemblagen und Aquarellen bereits farbenfrohe Akzente gesetzt.

Wie ein Weltenbummler in der Karibik sesshaft wurde

Sandoz unternimmt seit den 1960er-Jahren ausgedehnte Reisen in den Orient und nach Indien. 1997 hat er dank Vermittlung eines Künstlerfreundes in der Hotelanlage Anse Chastanet auf der Karibikinsel St. Lucia so etwas wie einen zweiten Lebensmittelpunkt gefunden.

1000 A4-Blätter von Claude Sandoz dominieren die Museumswände.

1000 A4-Blätter von Claude Sandoz dominieren die Museumswände.

Der spricht auch aus seinem Werk. Die farbenfrohen Aquarelle, Assemblagen, Künstlerbücher, Installationen und Seidentücher, die von Kunstmuseumsdirektorin Fanni Fetzer auf sechs Räume verteilt wurden, feiern die satte Farbe und das Ornament, bedienen sich universaler Symbole wie Sonne und Mond und stehen gegen manches, was der nüchterne Schweizer als guten Geschmack definiert. Überwältigend der Raum, an dessen vier Wänden 1000 A4-Blätter hängen. Sie wurden vom Künstler mit unterschiedlichen Techniken vom Stempeldruck, dem Aquarell bis zur Collage bearbeitet.

Das kleinformatige Papier und die Aquarelltechnik ist auch Sandoz’ Lebens- und Arbeitsweise geschuldet. Seine Kunst bringt er kofferweise in die Schweiz. Die in einem Raum auf einer goldbemalten Holzplatte ausgelegten Gegenstände sind Fundstücke aus der Karibik. Sandoz zerschneidet Aluminiumbüchsen und macht aus ihnen funkelnde Sterne. Die Rhythmik seiner Bilder und seine Auslegeordnungen, die Ordnung in Überfülle schafft, faszinieren.»Vielleicht», so sinniert der Künstler im Gespräch, «wird meine über 20-jährige Auseinandersetzung mit der Karibik mit dieser Ausstellung ihren Abschluss finden.»

«Frauen mit buntem Teppich» (1920) von Max Pechstein.

«Frauen mit buntem Teppich» (1920) von Max Pechstein.

Heute werden Künstler mit Stipendien weltweit in Ateliers verfrachtet. Manche finden das toll. Andere macht das ratlos. Ein Raum widmet sich den Arbeiten, welche drei Künstlerinnen in der notdürftig zusammengebretterten Künstlerresidenz«Two Hotel» auf einer brasilianischen Halbinsel schufen. Sie ist nur bei Ebbe mit dem Festland verbunden. Das Paradies kann auch einsam machen.

Fiktiven Inselstaat erfunden

Samuel Herzog wiederum hat mit Santa Lemusa einen fiktiven Inselstaat erfunden, den er während der Öffnungszeiten der Ausstellung in Persona vertreten wird. Und der Belgier Rinus Van de Velde malt, anstelle zu reisen, lieber nach Fotografien seine grossformatigen Kohlezeichnungen, die er mit Zitaten wie dem des Weltenbummlers Alexander von Humboldt unterlegt: «Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.»

Claude Sandoz u. a., «Ab auf die Insel!». Bis 28. Oktober. Sa, 7. Juli, 13 Uhr, Performance von Marie Karlberg. Infos: www.kunstmuseumluzern.ch

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