Alex Capus: «Erzähle Dramatisches leicht und Alltägliches dramatisch»

Interview: Arno Renggli
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Einen Autor sollte eigentlich alles stark berühren, worüber er schreibe, sagt Alex Capus. (Bild: Ayse Yavas/PD)

Einen Autor sollte eigentlich alles stark berühren, worüber er schreibe, sagt Alex Capus. (Bild: Ayse Yavas/PD)

Alex Capus, hat es Ihre Romanfiguren Jakob und Marie tatsächlich gegeben?

Jawohl, ihre Lebensdaten kann man in den Greyerzer Kirchenbüchern nachschlagen. Und auch in Versailles haben sie mit ihrem Aufenthalt und namentlich mit ihrer Hochzeit Spuren hinterlassen. Prinzessin Elisabeth erwähnt ihren Schweizer Kuhhirten und dessen Ehefrau ab und zu in Briefen an ihre Freundinnen – letztmals, als sie schon in den Tuilerien gefangen ist. Sie schreibt auch, dass Marie ihr täglich eine Kanne Sahne aus Montreuil bringe. Was eine romantische Vorstellung ist, aber nicht glaubwürdig, weil das täglich viele Stunden Fussmarsch bedeutet hätte.

Die ganze Geschichte ist sehr leichtfüssig erzählt. Auch dort, wo es stellenweise um tragische und harte Inhalte geht. Setzen Sie dies als besonderes Stilmittel ein?

Ja. Ich bin der Meinung, dass man dramatische Dinge ganz alltäglich erzählen sollte und alltägliche ganz dramatisch. Allerdings möchte ich daraus kein Dogma machen.

Hat Sie ein Aspekt der ­Geschichte ganz besonders berührt?

Grundsätzlich sollte einen Autor eigentlich alles stark berühren, worüber er schreibt, sonst lohnt es sich gar nicht, damit anzufangen. Aber wenn ich bei diesem Buch etwas nennen soll, so ist es vielleicht die aussergewöhnliche Beharrlichkeit, mit der Marie und Jakob gegen alle Widerstände beisammen bleiben.