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ERZÄHLUNGEN: Geschichten eines Gestalters

Der Konstanzer Typograf Reinhard Albers gestaltet Bücher aus Leidenschaft – im Frauenfelder Verlag Waldgut.

Der Weg zurück führt nach vorn? Gar nicht abwegig, wie die Titelgeschichte beweist. Die Lehrerin Bea kündigt, wird Redaktorin. Sie kündigt erneut, nimmt eine Auszeit und fährt mit dem Velo durch Deutschland. Bei einem Sturz kommt die Erinnerung mit brutaler Klarheit zurück, Bea kehrt in ihr Heimatdorf zurück. Sie will nach fast dreissig Jahren ihren Peinigern in die Augen schauen, ihnen ihre Verachtung zeigen, auch wenn die drei Vergewaltiger ihre Strafe längst abgesessen ­haben. Danach wird Bea wissen, wohin sie ihr Weg führt.

Reinhard Albers vereint vierzehn Erzählungen in seinem ersten Prosaband, der auch gestalterisch aus dem Waldgut-Rahmen fällt. Der Konstanzer Typograf hat es selbst gestaltet. Fachleute kennen seine «Typocards» und «Layoutcards», die bei Nigg­li erschienen sind. «Typografie ist die Rhetorik der Schrift», lautet ein Kernsatz daraus. Albers spielt liebevoll mit Kontrasten wie fett gegen mager, Blocksatz gegen reichlich Weissraum. Mit Einfällen wie freistehendem Titel, Doppelpaginierung, fetten Textanfängen, die den längeren Erzählungen wie ein Motto vorangehen.

Das Skizzenhafte gelingt besser als das Ausführliche

Auffällig der Rhythmus, der das Buch durchzieht: Fast aphoristische Skizzen wechseln sich mit längeren Geschichten ab. Eine unerwiderte Liebe endet als ­verhinderter Mord, eine späte Liebe endet an der «Kante des Landes». Symbole wie die Farbe Rot kehren wieder, ebenso der melancholische Grundton.

In «Drei Stunden Familie» treffen sich Vater und Sohn alljährlich am Geburtstag des Sohnes: «So viel Talent, so viel Anstand, so viel Kraft – verschwendet, ungenutzt.» Vergeblich will der Vater ihm Vater und Kumpel zugleich sein, ein gesunder Stamm für einen kranken Ast. «Er erkennt nicht, lehnt ab, wie schon so oft. Aber heute, da waren wir, drei Stunden lang, wieder eine Familie.» Solche Kurztexte liegen Reinhard Albers am besten: Wenn er andeutet, vieles ungesagt lässt, mit leichter Hand skizziert statt ausführt. Einfallsreich sind etwa die Parabel «Der Wald» oder die Gutenberg-Hommage «Oktogon». In «Das Relief von der Iselshöh» jedoch missrät Reinhard Albers das ausführliche Schildern – die märchenhafte ­Atmosphäre wird plakativ.

Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch

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