Erzähl- und Körperrecherchen

Das Ausserrhoder Artist-in-Residence-Stipendium 2015/16 geht an die Autorin Monika Slamanig und an die Schauspielerin Jeanne Devos. Die Geförderten können ihre Destination frei wählen.

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Jeanne Devos Schauspielerin (Bild: pd)

Jeanne Devos Schauspielerin (Bild: pd)

HERISAU. In den Genuss einer Artist-in-Residence-Förderung von Kulturstiftung und Kanton Ausserrhoden können Künstler kommen, die einen engen Bezug zum Kanton haben und nach ihrer Rückkehr ihre Arbeit ins kulturelle Leben des Kantons einfliessen lassen.

Das noch junge Förderinstrument basiert nicht auf einer fixen Atelierwohnung, sondern erlaubt den Kunstschaffenden, ihre Destination frei zu wählen. Das bietet grösstmögliche Flexibilität im dynamischen Kulturmarkt und setzt zugleich auf hohe Eigenverantwortung.

Alte Erzähltraditionen

Die Autorin Monika Slamanig geht nach Klagenfurt. Sie verfolgt dort das autobiographisch grundierte Romanprojekt «Mirka und die vaterlosen Töchter»: Geschichten von Frauen aus mehreren Generationen, die sich weitgehend in Kärnten und Slowenien, aber auch in der Schweiz abspielen und zuspitzen. Slamanig hat selber Kärntner Vorfahren. Formal soll ein Gewebe von Stimmen entstehen, das an Erzähltraditionen der Oral History anklingt, wie sie in den Bergsiedlungen des slowenisch-kärntnerischen Grenzgebiets einst existierten.

Slamanig ist in Heiden aufgewachsen und hat lange Jahre in Bühler und Trogen gearbeitet. Im Frühling erschien ihr Afrika-Roman «Durstland».

Erfolg auf deutschen Bühnen

Jeanne Devos, in Heiden geborene Schauspielerin, hat am Deutschen Nationaltheater Weimar und an anderen deutschen Bühnen Furore gemacht. In einer Kritik zu ihrer Darstellung der «Madame Bovary» in Darmstadt stand: «Wie sich Devos herausspielt, hinein in ihren Körper, in die Lässigkeit der Geliebten und die Bitterkeit der Enttäuschten, das ist wunderbar.»

In ihrem Artist-in-Residence-Projekt will sie das Bewegungsmaterial und die Intensivierung des körperlichen Ausdrucks erforschen an der Schnittstelle von Tanz, Theater und Performance. Sie plant eine Residenz bei den «Ballets C de la B» des Choreographen Alain Platel in Gent.

Bisher drei Stipendien

Die Künstlerin Birgit Widmer vertauschte ihren Wohnort Gais mit dem finnischen Varkaus; der in Waldstatt lebende Fotograf Georg Gatsas arbeitete in London an seiner Fotorecherche zur Dubstep-Musikszene; Fabian Harb, Grafiker aus Heiden, entwickelt mit Nina Paim in Porto ein kulturell-soziales Austauschprojekt.

Birgit Widmer hat das Ergebnis ihrer Arbeit nach ihrer Rückkehr in mehreren Ausstellungen präsentiert; von Gatsas erscheint demnächst eine Publikation. So bestätigt sich, was laut Kulturstiftung die Qualität dieser Fördermethode ausmacht: «Artists in Residence profitieren von einheimischer Förderung, tragen als Botschafter ihrer Herkunftsregion den Ruf des Appenzellerlands in die Fremde – und bringen Inspirationen von aussen ins Land zurück.» (red.)