Erster Ostschweizer Musiksonntag

Vier Duos, vier Konzerte, ein Sonntag: Am «Musiksonntagost» präsentieren sich Musiker aus der Region einem anspruchsvollen Publikum. Der Konzerttag eröffnet die neue Saison der Reihe «kleinaberfein» am St. Galler Gallusplatz.

Roger Berhalter
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Kasachisch-türkische Stimme: Saadet Türköz (Gesang) tritt zusammen mit Nils Wogram (Posaune) auf. (Bild: pd)

Kasachisch-türkische Stimme: Saadet Türköz (Gesang) tritt zusammen mit Nils Wogram (Posaune) auf. (Bild: pd)

ST. GALLEN. Er kann es selbst kaum glauben, dass er mit «kleinaberfein» schon in die dritte Saison startet. Anfang 2013 rief der St. Galler Kulturvermittler Richard Butz seine Veranstaltungsreihe ins Leben, die seither der lauten (Kultur-)Welt leisere Töne entgegensetzt. Ab kommendem Sonntag finden am Gallusplatz, mitten in der Stadt St. Gallen, wieder einmal im Monat Konzerte statt. «Bis jetzt bin ich sehr zufrieden», bilanziert Butz. Der 60 Personen fassende Saal der Diözesanen Kirchenmusikschule – ein versteckter Bau mit markanter Kupferfassade – eigne sich akustisch bestens für die Konzerte, und er sei richtig dimensioniert – auch wenn, wie Butz schmunzelnd anfügt, «gewisse Künstler auch zweihundert Zuhörer verdient hätten».

Vier Duos an einem Sonntag

Zum Auftakt der neuen «kleinaberfein»-Saison erhält die regionale Musikszene eine Plattform. Eine Idee, die Richard Butz schon länger hatte. Am ersten «Musiksonntagost» treten von 11 bis 18 Uhr vier Duoformationen auf. Die Konzerte dauern je eine Stunde und sind einzeln besuchbar. Der Anfang gehört dem amerikanischen Komponisten und Dichter John Cage und seinem auf östlicher Philosophie gründenden Text «Silence». Der St. Galler Autor Florian Vetsch rezitiert ab 11 Uhr den Text, dazu spielt der Komponist und Pianist Alfons K. Zwicker Musik von John Cage.

Grosse Improvisateure

Nach der Mittagspause ist um 13.30 Uhr Appenzeller Musik an der Reihe. Die beiden Trogner Musiker Werner Meier (Violine) und Christian Fitze (Hackbrett) interpretieren Traditionelles auf frische Art. Danach, um 15.30 Uhr, improvisiert der St. Galler Pianist Robert Notter gemeinsam mit Marco Käppeli, einem der renommiertesten Schlagzeuger der Schweiz. Richard Butz spricht von zwei «grossen Improvisateuren», die dialogisch aufeinander eingehen werden. Den Abschluss macht um 17 Uhr die kasachisch-türkische Sängerin Saadet Türköz. Sie lebte einige Zeit in St. Gallen, weshalb Butz sie als «Ex-Ostschweizerin» bezeichnet. Am Sonntag tritt sie zusammen mit dem Posaunisten Nils Wogram auf, den «Die Welt» als «wichtigsten deutschen Jazzmusiker seiner Generation» bezeichnete.

Intensives Hören vorausgesetzt

Auch im weiteren «kleinaberfein»-Programm (siehe Kasten) setzt Richard Butz einerseits auf Weltmusik, speziell auf südafrikanische und indisch-arabische Künstler. Anderseits soll auch moderne Musik, die intensives Hören verlangt, in den sonntäglichen Konzerten Platz haben. Doch «kleinaberfein» sei kein Avantgarde-Programm, sagt Richard Butz: «Es darf auch unterhaltsam sein.»

www.kleinaberfein.sg

Appenzeller Musik im weitesten Sinn: Werner Meier (Violine) und Christian Fitze (Hackbrett) aus Trogen. (Bild: pd)

Appenzeller Musik im weitesten Sinn: Werner Meier (Violine) und Christian Fitze (Hackbrett) aus Trogen. (Bild: pd)