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Ein Brückenschlag von Chor zu Chor an der ersten St.Galler Chornacht

Die erste St.Galler Chornacht in der Lokremise und der Kirche St.Leonhard war lebhaft, vielsprachig und vielstimmig.
Bettina Kugler
Jekami-Nachtmusik in der Leonhardskirche: Katharina Jud probt am Offenen Singen mehrstimmige Abendlieder. (Bild: Michel Canonica)

Jekami-Nachtmusik in der Leonhardskirche: Katharina Jud probt am Offenen Singen mehrstimmige Abendlieder. (Bild: Michel Canonica)

Wer nichts verpassen will an dieser grossen Nachtmusik in der Stadt der vielen Chöre, braucht Ausdauer. Braucht Stehvermögen, einen langen Atem und Beweglichkeit. Neunmal geht es am vergangenen Samstag nur schon im offiziellen Programm zwischen 17 Uhr und der «Afterparty» spätabends hin und her zwischen den beiden Bühnen: jener in der Lokremise mit den beständig im Hintergrund ein- und ausfahrenden Zügen, und jener in der Kirche St.Leonhard, die ruhig über den Gleisen thront. Das ist, anders als am vorigen Samstag an der Museumsnacht, zwar theoretisch vollständig zu schaffen. Doch so verbissen hat es wohl keiner gesehen.

Stattdessen flanieren die singaffinen Nachtschwärmer – und davon gibt es viele, wie sich zeigt – entspannt und ohne Eile über die Kreuzbleiche oder durch die Unterführung bei der St.-Leonhard-Brücke. Sie verweilen oder ziehen mitten im Programm weiter; sie nutzen nicht nur die Pausen zum Kennenlernen oder Wiedersehen.

Kurzkonzerte im Halbstundentakt

Ganz so unübersichtlich ist die Szene schliesslich nicht, auch wenn es wahrlich viele Vokalformationen in St.Gallen gibt: altehrwürdige wie den Oratorienchor, der seit bald 400 Jahren besteht, und junge Hüpfer wie das erst kürzlich gegründete Ensemble VoiceUp. Die Chornacht, initiiert und musikalisch geleitet von Katharina Jud (mit tatkräftiger Unterstützung eines Teams aus diversen Chören) war nicht als Vortragsmarathon fürs Guinnessbuch der Rekorde gedacht. Auch nicht als Wettstreit um die Gunst des Publikums oder einer punktevergebenden Jury. Sondern vielmehr als klingendes Schaufenster für die Vielfalt, welche die Sangeslust vor Ort hervorbringt. Als Anregung, die Gleichgesinnten noch besser kennen zu lernen, sich über das Angebot zu informieren, sich auszutauschen und untereinander zu vernetzen. Ein ganzes Bündel an «Sing mit»-Flyern konnte man mit nach Hause tragen und gleich die Agenda zücken: Die nächsten Konzerte warten auf ebenso viel Zulauf wie die Chornacht.

Natürlich kommt das Singen und Zuhören keineswegs zu kurz in insgesamt elf Kurzkonzerten mit über fünfzig Stücken: Liedern, Balladen und kunstvollen Chormotetten aus sechs Jahrhunderten und diversen Weltgegenden, in Sprachen von Finnisch über Rumantsch bis Suaheli, präsentiert mal mit, mal ohne Noten, mit oder ohne Klavier und Choreografie. «Let Me Entertain You», von VoiceUp etwa zur Halbzeit schwungvoll gesungen, war zweifellos allen Chören auf der Bühne ein Herzensanliegen.

Ehrensache, dass die meisten schon zur Einstimmung am späten Nachmittag vollzählig in der Lokremise versammelt sind. Mit Ausnahme vielleicht der Sängerinnen und Sänger vom Bündner-Verein: Denn im September, so weiss man jetzt, geht der Bündner nicht zu Chornächten, sondern zur Jagd.

Das Warming-up mit allen, die Sitzplätze ergattert haben, und den vielen, die dahinter stehen, übernimmt Katharina Jud: ein vierstimmiger Kanon ohne komplizierten Text, aber auch ohne Noten. Wer oft singt, braucht sie nicht. Die Slam-Poeten Mia Ackermann und Sandro Wick machen mehr Worte: Sprachmusik und verschmitzte Zwischentöne aus dem Leben eines Chorsängers.

Schauerballaden und ein mehrstimmiger Erlkönig

Zwischen Kuchenbuffet und Risotto singen die Kleinsten von der Kinder- und Jugendkantorei C eifrig Friedenslieder. In immer neuer Aufstellung lassen die Singallinas auch ohne ihren Dirigenten Michael Schläpfer sacht die Zehen wippen bei A-cappella-Songs wie «Sweet Dreams» oder «Black Bird». Lässig und intonationssicher beweisen die sanften Powerfrauen hier, dass Hühner auch pfeifen können. Uwe Münch stellt den Oratorienchor probeweise auf die Bühne und zeigt, wie er an der mehrstimmigen Version von Schuberts «Erlkönig» arbeitet. Kostproben gibt es aus fertigen oder entstehenden Programmen – etwa vom Tablater Konzertchor, der Lust macht auf Lieder aus dem hohen Norden – im Februar 2020 zu hören.

Mitsingen kann jeder: zwischendurch und schliesslich beim gemeinsamen Ausklang, wenn der Mond schon über den Gleisen aufgegangen ist. Vielstimmig geht es in die Nacht, und nein: An Schlaf ist danach nicht zu denken.

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