Erst Schrauben, dann Kultur

Das Eisenwerk Frauenfeld war einst eine Fabrik und stand vor dem Abriss, doch 1984 verwirklichten Enthusiasten ihre Idee von Wohnen, Arbeiten und Kultur unter einem Dach.

Dieter Langhart
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Giacun Valaulta, Ruth Bommer und Claudia Rüegsegger vor dem Shed im Eisenwerk, in dem derzeit Andri Stadler Fotografien ausstellt. (Bild: Dieter Langhart)

Giacun Valaulta, Ruth Bommer und Claudia Rüegsegger vor dem Shed im Eisenwerk, in dem derzeit Andri Stadler Fotografien ausstellt. (Bild: Dieter Langhart)

FRAUENFELD. Das Eisenwerk sei das «kulturelle Epizentrum» der Stadt Frauenfeld, sagt die Genossenschaft Eisenwerk Frauenfeld von sich. Wenn auch nicht der einzige Kulturort neben Cinema Luna oder drei kantonalen Museen, so doch gewiss der aktivste und vielseitigste.

Da gibt es einen Saal für Konzerte, eine haushohe Shed-Halle für Ausstellungen und die Eisenbeiz, selbst einen Salon Rouge. Und unterm Dach ein Theater für Jazz und Bühnenstücke.

Autonom, aber gemeinsam

Die einzelnen Veranstalter wie das Vorstadttheater oder der Shed im Eisenwerk taten sich 2014 zu «Kultur im Eisenwerk» zusammen. Der Verein hat inzwischen über 300 Mitglieder.

Die Programmgruppen sind autonom geblieben, sie stimmen ihre Anlässe und Projekte aufeinander ab, kooperieren eng mit der Genossenschaft als Vermieterin; sie treten gemeinsam auf und haben dazu eine Geschäftsstelle eingerichtet.

Alles unter einem Dach

1984 wollten engagierte Köpfe den Gebäudekomplex vor dem Abbruch retten – und ihre Idee verwirklichen, Wohnen, Arbeiten, Kultur und Freizeit unter einem Dach zu vereinen. Die 1907 erbaute Schraubenfabrik ist Teil der Geschichte der Maschinenindustrie in Frauenfeld. Die Vergangenheit sieht man dem Backsteinhaus noch an, die Architekten beliessen Struktur und Charakter und erhielten Auszeichnungen. Hier wohnen Familien, arbeiten Architekten, Verleger, Therapeutinnen.

Und hier finden jedes Jahr an die hundert Veranstaltungen statt. Claudia Rüegsegger (Geschäftsstelle), Ruth Bommer (Leiterin Programmausschuss) und Giacun Valaulta (Präsident der Genossenschaft) haben das neue Programm vorgestellt. Musik gibt's häufig. Die Reihe jazz:now, ursprünglich von der Thurgauer Kulturstiftung lanciert, veranstaltet rund acht Jazzkonzerte pro Jahr, jeweils am letzten Mittwoch des Monats. Am 30.9. treten achtzehn Musiker auf, das Lukas Bruegger Jazz Orchestra.

Lina Button bis Galgevögel

Sounds veranstaltet die übrigen Konzerte. Im Eisenwerk startet Lina Button ihre «Misty Mind»-Tour (19.9.), im Eisenwerk taufen die Galgevögel ihre neue Platte (31.10.). An Theater gibt es Gastspiele, Workshops für jedes Alter und Eigenproduktionen. Die zwei bis drei Ausstellungen von Gegenwartskunst im Shed werden ergänzt durch Rahmenveranstaltungen und den Kunstnachtflohmarkt; derzeit zu sehen ist Fotograf Andri Stadler. Und eine Argentinien-Woche vereint gleich alle Sparten.

Die neue Programmgruppe «Funken», ein Impuls der Genossenschaft, setzt auf Kulturvermittlung und Miteinander, nicht nur für Kinder: mit einer Holzwerkstatt oder einer Kinderdisco samt Tanzanimation.