Kino: Erschreckende Satire aus dem Iran

In Teheran geht der Schrecken um: Irgendwer – ein Einzeltäter, eine Terrororganisation, der Staat vielleicht? – schneidet Filmregisseuren die Köpfe ab. Und signiert seine Opfer mit einem auf die Stirn geritzten «Khook» (Schwein). So lautet auch der Titel dieses Films von Regisseur Mani Haghighi.

Irene Genhart
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Ein schriller Kindskopf: Der Regisseur Hasan Kasmai, gespielt von Hassan Majooni. (Bild: Trigon)

Ein schriller Kindskopf: Der Regisseur Hasan Kasmai, gespielt von Hassan Majooni. (Bild: Trigon)

Forciert aberwitzig geht es zu in dieser satirischen Komödie. Im Zentrum steht grossmaulig und kindsköpfisch Hasan Kasmai: Filmemacher, in seiner eigenen Einschätzung einer von Irans grössten. Aber jetzt ist er beleidigt: Denn wenn selbst mittelmässige Regisseure wie Mani Haghighi daran glauben muss, müsste er doch selber längst schon tot sein: Mangelnde Selbstironie kann man dem Regisseur von «Khook» also nicht vorwerfen.

Schauspielerinnen als Küchenschaben

Und er lässt es seinem Protagonisten richtig fies gehen. Denn Kasmai ist vom Staat mit einem Berufsverbot belegt worden. So dreht er Werbespots statt Filme; etwa ein schrilles Kurzmusical für ein Insektenvertilgungsmittel, in dem hundert als Küchenschaben verkleidete Darstellerinnen mitwirken, unter ihnen die aufsässige Stalkerin Annie. Überhaupt hat es Kasmai mit Frauen schwer: Seine Gattin lebt von ihm getrennt, seine Lieblingsdarstellerin und Geliebte arbeitet mit dem Erzfeind. Und seine alte Mutter, die ihn tröstet, dass der Killer ihn sicher bald berücksichtigen wird, verliert langsam den Verstand.

Und je länger dieser vor bizarren Einfällen strotzende und poppig bunte Film dauert, desto mehr hat man den Eindruck, dass man – mit den iranischen Verhältnissen zu wenig vertraut – vieles nicht versteht. Anderes aber sehr wohl, etwa wie sich ein vom Kisami zur eigenen Verteidigung gefertigtes Kurzvideo auf den sozialen Medien als Bumerang erweist. Insgesamt ist der Film saumässig lustig, aber als Satire auch durchaus erschreckend. (ig)

«Khook» läuft im Stattkino Luzern.