Erlösung im «Parsifal» – wovon?

Dem Theater Basel gelingt ein musikalisch feiner «Parsifal», doch szenisch drückt er sich vor den zentralen Fragen.

Tobias Gerosa
Drucken
Teilen

Noch vor dem Vorspiel von Richard Wagners Bühnenweihfestspiel «Parsifal» betritt im Theater Basel «der Autor» (Allan Evans) die Bühne. Er könnte Wagner sein oder eine seiner Figuren auf der Suche nach jener «Erlösung», welche dieses letzte Wagner-Stück für die einen zur religiös überladenen Sitzprobe und für die andern zum genialen, transzendentierenden Mythos macht.

Einheitliche Musikalität

Benedikt von Peter, Regisseur der jungen Generation, deutet den «Parsifal» auf fast nackter Bühne ganz von dieser erfundenen Autorfigur aus. Amfortas wird zum ersten Alter ego des Autors, das zweite ist der böse Gegenspieler Klingsor. Die Personenkonstellation wir aufgesprengt und neu gemischt, plötzlich verlaufen Konfliktlinien ganz anders. Man schaut wie neu – und fragt sich doch immer mehr, was man dabei über «Parsifal» erfährt. Die naturalistisch verwendeten Symbole wie Schwan, Lanze oder der immer präsente Glasschüsselgral werden inhaltlich nicht gefüllt, die Ichsuche statt Erlösung füllt die fünf Stunden dieses Werkes nicht. Wie viel bohrender hat da Calixto Bieito in Stuttgart in seiner eben wieder aufgenommene Deutung das Stück hinterfragt. Einheitlicher ist die musikalische Seite: Dirigent Axel Kober und das Sinfonieorchester Basel geben mit ihren langsamen Tempi eher ein weihevolles Verständnis vor, fächern die Partitur aber farblich spannend auf.

Problematisches Werk

Die Besetzung ist stimmig mit vokalen Glanzpunkten bei den Partien, die am wenigsten ins Regiekonzept passen: Ursula Füri-Bernhard als Kundry und Rolf Romei in der Titelpartie. So ist dieser «Parsifal» Basel-untypisch weniger Hinterfragung als Feier eines problematischen Werks.

www.theater-basel.ch

Aktuelle Nachrichten