ERLEBNIS: Entdeckerferien im Museum

Der St. Galler Museumsverband wirbt an der Ferienmesse «Grenzenlos» in den Olma-Hallen vor allem um junge Besucher, stellt einen Museumsführer vor – und eine neue Geschäftsführerin.

Hansruedi Kugler
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Die neue Geschäftsführerin Rebekka Ray am Stand des St. Galler Museumsverbands auf der Ferienmesse. (Bild: Urs Bucher)

Die neue Geschäftsführerin Rebekka Ray am Stand des St. Galler Museumsverbands auf der Ferienmesse. (Bild: Urs Bucher)

Hansruedi Kugler

hansruedi.kugler

@tagblatt.ch

Zwischen Palmenstränden, Safaris und Weltwundern fällt an der Ferienmesse ein grasgrüner Stand ins Auge: Neben dem Schriftzug MUSA verteilen sich die Fassaden von vielen Museen im Kanton. Ganz nach dem Motto: Warum denn in die sonnenverwöhnte Ferne schweifen, wenn man in eines der 76 Museen um die Ecke auf Entdeckungsreise gehen kann: «Bei uns kann man viel erleben, auch wenn es regnet», sagt Alois Ebneter, Co-Präsident des Museumsverbands. In den Olma-Hallen geht es um Werbung, das hat der noch junge Museumsverband offenbar begriffen. Dass auch kleine Museen entgegen dem Vorurteil nicht verstaubt sein müssen, zeigt der Verband auf lebendige Weise an seinem grosszügigen Stand in der Halle 2.1. Ein runder Kindertisch lädt zum Zeichnen ein und an zwei Tischen kann man mit Spielzeugobjekten herausfinden, in welchen Museen man etwas über Postautos, Seifen oder Dinosaurier erfährt – natürlich mit Wettbewerb.

Steiniger Weg zum Museumsverband

Fünf Jahre jung ist der Museumsverband. Der Anstoss kam vom kantonalen Amt für Kultur, das 2006 noch unter dem damaligen Leiter Hans Schmid die Museumslandschaft analysieren liess. Das behördliche Ziel lautete: Synergien nutzen und die Museen zukunftstauglich machen. Die kleinen, überwiegend ehrenamtlich geführten Museen blieben lange skeptisch und zurückhaltend: Zu unterschiedlich seien sie thematisch und organisatorisch aufgestellt. Sie lehnten 2010 den Wunsch des Kantons nach einer Verbandsgründung ab, organisierten sich selbst und gründeten dann 2012 doch noch einen Verband. Er hat sich etabliert, auch dank der jährlichen finanziellen Unterstützung von 60000 Franken aus dem Lotteriefonds. Unterdessen gehören ihm 76 Museen im Kanton an. Und fast alle sind nun auch im handlichen Museumsführer vertreten: 60 Kurzporträts von St. Galler Museen finden sich darin. Viele Ortsmuseen, aber auch thematische Museen vom Fliegermuseum über das Naturmuseum bis zum Seifenmuseum. Leider ist von vielen Museen statt spannenden Objekten nur die Hausfassade abgebildet. Der in einer Auflage von 6000 Exemplaren gedruckte Museumsführer wird in Bälde in den Museen gratis abgegeben.

Sorge um personelle und finanzielle Mittel

Nach fünf Jahren Aufbauphase übergibt Co-Präsident und Geschäftsführer Urs Schärli die Geschäftsführung an die neu gewählte Rebekka Ray. Urs Schärli, selbst pensionierter Bankangestellter, betreut weiterhin ehrenamtlich das Ortsmuseum Flawil. Dass er dort wie die meisten Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Museen mit äusserst knappen Mitteln auskommen muss, definiert denn auch seine Zukunftshoffnung: «Für uns ist am wichtigsten, dass wir genügend personelle und finanzielle Mittel finden.» Die inhaltlichen Ideen kämen von alleine. «Geschichten und Objekte sind ausreichend vorhanden.» Aus seiner Sicht ist der Museumsverband ein Erfolg: Das gemeinsame Marketing hat im eben erschienenen Museumsführer ein erstes Ziel erreicht. Das Vermittlungsprojekt «Abenteuer im Museum» speziell für Familien wird von elf Museen eingesetzt und ein Inventarisierungsprojekt sind neben gemeinsamen Weiterbildungen die Meilensteine der letzten fünf Jahre. Die neue Geschäftsführerin Rebekka Ray ist mit einem 30-Prozent-Pensum angestellt. Sie ist bisher vor allem im Kanton Thurgau als Kulturvermittlerin im Kunstmuseum, als Kuratorin und Wissenschaftlerin tätig gewesen. Das wird sie weiterhin tun. Der kinderbezogene Auftritt an der Ferienmesse gefällt ihr sichtlich. Zu ihrer Aufgabe beim Museumsverband sagt sie denn auch: «Ich möchte zur besseren Sichtbarkeit dieses reichen Fundus beitragen und Kooperationen fördern.»

Ferienmesse St. Gallen: Olma-Hallen, bis Sonntag, 22. Januar.