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ERINNERUNGEN: Mehr als Schwarz

Christa de Carouge war die wohl bekannteste und eigenwilligste Designerin der Schweiz. Und sie war vielen eine grosse Freundin. Ihre engen Weggefährten Deniz Ayfer und Martin Leuthold erzählen von schönen Momenten und prägenden Begegnungen.
Julia Nehmiz

Julia Nehmiz

julia.nehmiz@tagblatt.ch

Liebevoll, sensibel, aufmerksam. Herzlich, grosszügig, geniesserisch. Kreativ, neugierig, aufgeschlossen, voller Energie. Und immer einen Witz auf den Lippen. So beschreiben enge Weggefährten Christa de Carouge. Die Grande Dame des Schweizer Modedesigns, die überraschend in der Nacht auf Mittwoch verstarb, hat nicht nur grossartige, eigenwillige Kreationen entworfen. Sie war auch eine grosse Persönlichkeit.

Deniz Ayfer empfängt im Atelier in Rorschach. Dort, wo sich die beiden Frauen erstmals begegnet sind. Arbeit ist auch am Tag nach Christa de Carouges Tod genug zu tun. Und auch den Workshop, der am Sonntag im Rahmen der Ausstellung über Christa de Carouge im Kunsthaus Zug stattfindet, wird Deniz Ayfer leiten. Allein, aber mit Christa de Carouge im ­Herzen. «Christa-Mami», nennt sie sie. Die beiden Frauen verband mehr als eine Freundschaft.

De Carouge posierte als Mannequin

Deniz Ayfer arbeitet seit 1994 im Atelier in Rorschach, das damals noch eine Textilfabrikation war. Dort wurde unter anderem auch für de Carouge genäht, es kam zu ersten persönlichen Kontakten zwischen den beiden Frauen. Als Deniz Ayfer 2006 die Firma kaufte und dann leitete, kamen die beiden sich näher. «Mit all meinen Unterlagen und Zeugnissen musste ich zu ihr zu einem Vorstellungs­gespräch», erzählt Deniz Ayfer. «Einen Tag habe ich geschwitzt, sie hat mir so viele Fragen gestellt.» Christa de Carouge habe sich vergewissern wollen, dass zwischen ihnen alles stimme, bevor sie der neuen Firmeninhaberin Aufträge zukommen lässt.

Alles stimmte. «Sie hat mir ein paarmal gesagt, sie hätte mich am liebsten schon früher kennen gelernt.» Die Zusammenarbeit mit de Carouge entwickelte sich rasch – und gut: «Sie war mein Idol! Es war ein Traum, mit ihr zu arbeiten», sagt Deniz Ayfer, und ihre dunklen Augen, noch eben überschattet von Trauer, strahlen unternehmungslustig. «Sie musste nur etwas denken und hat es bekommen von mir.» Schnell wurde aus ­Zusammenarbeit Freundschaft.

2006 zeigte sie ihrer Mentorin erste eigene Kreationen. «Sie hat gesagt, ja, das ist gut, ich will alles sehen», sagt Ayfer. Sie habe Christa de Carouge immer um Rat fragen können, sie habe immer «ihren Segen gegeben». Sie habe ihr auch ­geholfen beim «Trommeln»: «Da war sie die Beste, sie hat für mich die Sachen getragen, ich habe sie als Mannequin auf Instagram gepostet.»

Die Kleider haben eine architektonische Geschichte

Christa de Carouge hat 2013 ihren Laden in Zürich aufgegeben. Deniz Ayfer wollte nicht sofort einspringen. «Ich habe Zeit gebraucht, um mich zu entscheiden.» Erst als sie 2015 eigene Erfahrungen sammeln konnte, ihre Kreationen bei einer von de Carouge organisierten Präsentation zeigte und verkaufte, spürte sie: «Ich will einen eigenen Laden.» In de Carouges Geschäft hatte sie Kundennähe erlebt, gelernt, wie wichtig individuelle Beratung ist und wie erfüllend, wenn Macherin und tragende Person die Freude teilen. Ayfer sagt nicht, dass ihre Kleider eine Käuferin finden. Sie sagt: «Es ist schön, wenn jedes Stück ein Zuhause findet.»

2015 hat Christa de Carouge ihr Werk an ihre Freundin und Vertraute übergeben. Deniz Ayfer führt und entwickelt es weiter. Ihre und de Carouges Kleider hätten eine architektonische Geschichte, sagt sie. Formgebung, Funktion, Nutzung, das habe sie aus Christa de Carouges Lehre mitgenommen. Sie wird sie weiterhin ­umsetzen. Einfach mit einem anderen Schliff. Ayfer zieht eine Jacke vom Kleiderständer. Sie bittet vor den Spiegel: Eng gebunden, Ärmel gedreht, locker um die Hüfte geschlungen. Ayfer drapiert die kaffeebraune Jacke in zig Variationen, jedes Mal wirkt sie wie ein völlig anderes Kleidungsstück. Und ja, die Jacke haben sie gemeinsam entworfen.

Trotz der Trauer, trotz des grossen Verlusts, es geht weiter, sagt Deniz Ayfer. «Christa wird immer dabei sein, das weiss ich, das stelle ich mir so vor. Dann muss ich nicht traurig sein.»

«Christa hat einen beflügelt»

Traurig ist Martin Leuthold. Der Kreativdirektor der Jakob Schläpfer AG St. Gallen hat Christa de Carouge 1987 kennen gelernt. Die ersten Begegnungen in de Carouges Atelier, Leuthold zeigte ihr Stoffe. «Sie war interessiert am Neusten, sie hatte ein Gespür für Novitäten», sagt er. Aus dem ­geschäftlichen Kontakt wurde schnell Freundschaft – und gegenseitige Inspiration. «Wir tauschten uns aus über Essen, Reisen, Ausstellungen. Christa hat einen beflügelt.» Sie sei seine wichtigste Inspirationsquelle gewesen. Und noch etwas: «Alle schreiben über das Schwarz von ihr. Für mich war sie eine Person, die Schwarz als Farbe gesehen hat.» Es gab für de Carouge auch blaues, rotes oder grünes Schwarz. Und sie habe oft mit Leutholds neusten bunten Stoffkreationen experimentiert.

Mitte Dezember hatte Christa de Carouge die Diagnose Krebs erhalten. In der Nacht auf Mittwoch starb sie 81-jährig.

Hinweis

Ausstellung «Christa de Carouge» im Kunsthaus Zug bis 18.2., Veranstaltungen: Workshop «Tuchfühlung» mit Deniz Ayfer, 21.1., 14 Uhr; Gespräch mit Martin Leuthold über Christa de Carouge, 28.1., 15 Uhr

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