Erinnerungen an die Nächte von früher

Hörbar

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Jack Johnson: All The Light ­Above It Too (Brushfire Records)

Nach der Jahrtausendwende war Jack Johnson der Soundtrack für unzählige lange Sommernächte am See. Dazu konnte man von weiten Reisen träumen oder einfach das hübsche Mädchen um den Finger wickeln. 2017 wirkt dieser luftig-leichte Schrummel-Pop nun seltsam altbacken und langweilig. Zwar strahlt die ­Musik immer noch eine Weite aus, aber sie lässt grösstenteils kalt. Im besten Fall weckt das noch Erinnerungen an die Nächte von früher, meist ermüdet es aber mehr.

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LCD Soundsystem: Amercian Dream (DFA Records/Columbia)

Zwischen Pop und Experiment

Angeblich hat David Bowie höchstpersönlich James Murphy ins Gewissen geredet, dass er LCD Soundsystem doch bitte wieder aufleben lassen soll. Eigentlich war 2011 Schluss mit dem Projekt und Murphy produzierte unter anderem Songs von Arcade Fire und, eben, David Bowie. Doch auch hippe Electro-Acts sind nicht vor der allgemeinen Comeback-Welle gefeit. Nach einigen Festivals 2016 folgt jetzt mit «American Dream» das vierte Studioalbum. Und siehe da: LCD Soundsystem klingen immer noch wie LCD Soundsystem. Viel Repetition, viel harte Kante, und alle Songs sind irgendwie einen Tick zu lange. Es schwirrt immer zwischen Experiment und Pop. Das klingt alles seltsam nach Übermorgen. Es wabert, stampft, explodiert und geht trotzdem direkt ins Herz. Das passt zu Bier im Club, aber auch zu Wein in der Stube. Vielleicht ist James Murphy nicht mehr ganz der wütende Coole wie noch auf dem grandiosen «Sound of Silver», aber auch mit etwas weniger Groll macht er immer noch grossartige Alben.

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Beatsteaks: Yours (Warner). Live: 7.11. Volkshaus, Zürich

Schlicht zu viel auf die Platte gepackt

Stolze 21 Songs lang ist das neue Album der Beatsteaks. Das sind – jetzt einfach mal grob geschätzt – elf Lieder zu viel. Die schiere Fülle macht es schwierig, die wirklich guten Momente überhaupt rauszuhören. So ertrinkt der punchige Rock in der Beliebigkeit.

Michael Graber