Erinnerung und Neubeginn

Anhand von drei Generationen einer Familie spürt Jean-Paul Rouve in seiner Romanverfilmung «Les souvenirs» dem Leben nach. Eine sanft-melancholische Wohlfühlkomödie.

Walter Gasperi
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Am Beginn steht das Begräbnis des Grossvaters, das der Enkel, der die Friedhöfe verwechselte, in Parallelmontage doch noch rechtzeitig zu erreichen versucht. Wie sich die Grossmutter (Annie Cordy) nun neu orientieren muss und der Vater (Michel Blanc), der als Leiter einer Postfiliale in Pension geht.

Aber auch Enkel Romain (Matthieu Spinosi) muss nach Abschluss der Schule und Beginn eines Literaturstudiums Entscheidungen treffen und seinem zukünftigen Leben eine Richtung geben.

Suche nach der Vergangenheit

Geschickt verzahnt Jean-Paul Rouve die drei Generationen, lässt vor allem den Enkel sich empathisch um die Oma kümmern, während der Vater dies mehr pflichtschuldig macht und sie nach einem Treppensturz in ein Altersheim abschiebt. Zwar preist die Heimleiterin ausführlich das Unterhaltungsangebot von Filmclub mit französischen Klassikern bis zu Musikabenden an, doch wohl fühlt sich die rüstige 85-Jährige zwischen den teils deutlich gebrechlicheren Altersgenossen nicht. Bald wird sie deshalb ausbrechen und nochmals die Orte ihrer Kindheit in der Normandie aufsuchen.

Französische Leichtigkeit

«Les souveniers» ist nun wahrlich kein grosser Film, aber sympathisch in der flüssigen und runden Erzählweise. Genau trifft Rouve den Ton von Daniel Foenkinos Vorlage, der zusammen mit Rouve das Drehbuch schrieb. Der Film hält die Balance zwischen Komik und Rührung, kontrolliert sicher Tempo und Handlung. Wie meist nur die Franzosen es so sicher beherrschen, das Schwere mit dem Leichten zu verknüpfen; das zeichnet auch diese sanft-melancholische Reflexion über das Leben aus. Zudem sorgen die drei unterschiedlichen Alter und Probleme auch für Abwechslung.

Vorwerfen kann man «Les souvenirs», dass alles weichgespült wird, der Blick allzu beschönigend ist, doch nicht zuletzt die wunderbar harmonierenden Schauspieler lassen darüber hinwegsehen. Speziell bei den Hauptdarstellern spürt man, dass sie sich in ihren Rollen wohl fühlen.

Ein Vergnügen ist es, der 87jährigen Annie Cordy bei der wehmütigen Recherche nach ihrer Kindheit zuzusehen. Hinreissend ist auch Michel Blanc, der den Vater als zurückhaltende Variante der cholerischen Louis-de-Funès-Figuren anlegt, während Mathieu Spinosi auch mit seiner unsicheren Suche nach Lebensweg und Liebe die Sympathien des Publikums gewinnt.

Charme entwickelt die dritte Regiearbeit des Schauspielers Jean-Paul Rouve aber auch durch ein Gespür für Details und originelle Nebenfiguren, wie den vom Regisseur selbst gespielten Besitzer eines Hotels, in dem Romain als Nachtportier arbeitet; oder einen Tankwart, der wie ein griechisches Orakel Tips fürs Leben gibt.

Schöner Bogen zum Anfang

Schön spannt Rouve mit einer zweiten Begräbnis-Szene am Ende auch den Bogen zum Anfang. Trotz des traurigen Anlasses wird der Zuschauer nicht bedrückt entlassen, denn mit dem Tod auf der einen Seite wird auch ein Neubeginn auf der anderen verknüpft.

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