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Erhaltend verändern

Die St. Galler Künstlerin Rahel Flückiger stellt in der Galerie vor der Klostermauer «Postarts» aus: Miniaturen von mit Knetmasse verfremdeten Postkarten. Ein Atelierbesuch.
Beda Hanimann
Feinarbeit mit Pinsel und Knetmasse: Rahel Flückiger im Atelier. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Feinarbeit mit Pinsel und Knetmasse: Rahel Flückiger im Atelier. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Rähmchen an Rähmchen liegen sie auf dem Tisch, die Arbeiten, die Rahel Flückiger ab Freitag unter dem Titel «Postarts» in der Galerie vor der Klostermauer zeigen wird. In ihrem Atelier an der Oberstrasse ist sie mit den letzten Feinarbeiten beschäftigt. Ein Kunststück schon, diese Miniformate mit einer Hand zu fassen. «Ich habe festgestellt, dass sich meine Kunst den Ateliergegebenheiten anpasst. Wenn ich wenig Platz habe, entstehen automatisch kleinere Formate», sagt Rahel Flückiger. Die grossflächigen Bilder aus einer früheren Schaffensphase bestätigen es.

Nicht nur anschauen

Nach der Ausbildung zur Kindergärtnerin zog es die gebürtige Herisauerin zur Kunst. An der Kunstgewerbeschule jedoch sah sie sich nicht, «ich befürchtete, das enge mich zu sehr ein». Sie arbeitete in einem Kunstbedarfsladen in Basel, wo sie mit den verschiedensten Papieren und alten Leinwänden zu tun hatte. Ein Zufall war's nicht: das Materielle an der Kunst ist ihr bis heute wichtig.

Diese Vorliebe rührt aus der Kindheit. «Nur schauen reichte mir als Kind nicht, ich musste alles in die Hände nehmen», sagt die 35-Jährige. Kein Wunder, dass sie das heute auch in ihrer Tätigkeit als Kulturvermittlerin weiterverfolgt. «Die Leute sollen die Kunst begreifen, im direkten Sinn, sie sollen Materialien berühren. Das gibt eine Sinnlichkeit, einen anderen Zugang. Und es führt zu einem Begreifen auch im übertragenen Sinn.»

Inspiration Bananenschale

In Basel hatte sich Rahel Flückiger dann doch noch für eine Kunstausbildung entschieden. Sie schrieb sich an der Freien Kunstakademie Martin Kolbe ein, wo es neben der Atelierarbeit auch die Fächer Literatur, Kunstgeschichte und Philosophie gab und Kolloquien mit Künstlern aus aller Welt. «In dieser Zeit ist das mit der Bananenschale passiert», erzählt Flückiger. Sie beobachtete die Veränderung einer liegen gelassenen Schale. «Die Schale wurde immer dünner, die Faserstruktur verästelter. Es sah irgendwann wie tanzende Figuren aus, aber auch wie Risse im Raum.» Daraus entwickelten sich die Rissbilder.

Eine weitere Stufe waren die Bergobjekte. Aus Papiersäcken und Zeitungen modellierte Rahel Flückiger mit Papiermachétechnik und Farbaufträgen Bergmassive. Es faszinierte sie, wie das weiche und leichte Papier so starr und massiv wurde. Die Felslandschaften wurden belebt durch kleine Plastilinfiguren: «Menschen im Übergang, auf ihr eigenes Leben geworfen.»

Nachbearbeiten

Plastilin und Knetmasse blieben die Materialien – auch als Rahel Flückiger letztes Jahr in Berlin arbeitete. Auch da waren äussere Gegebenheiten mitbestimmend: Das bisschen Knetmasse im Gepäck machte den Umzug einfacher. In Berlin begann Flückiger, Werbepostkarten mit gekneteten Gesichtern zu verfremden. «Verändern, weiterentwickeln, das ist meine grundsätzliche Methode», sagt sie. «Ich setze die Inspiration von aussen in Eigenes um, ich gebe neue Interpretationen.» Daher rührt der Name der Arbeiten: Postarts. Nachbearbeitungen von Bestehendem.

Die Ausstellung in der Galerie vor der Klostermauer versammelt Berliner Arbeiten und neuere, die nach der Rückkehr entstanden sind: filigrane Knetarbeiten, die gesammelte Bildmotive in einen neuen Zusammenhang stellen. Dass die Künstlerin dabei auch Quasi-Galeristin ist, kommt nicht von ungefähr. Sie engagiert sich neu in der Leitung der Galerie, weil sie fand, eine solche Institution müsse erhalten werden. «Das Bestehende erhaltend verändern», so könne man das nennen. Es gilt auch für ihre Kunst.

Galerie vor der Klostermauer. Vernissage: Fr, 24.5., 19 Uhr. Die Ausstellung dauert bis zum 16.6.

Postarts: Filigrane Spielereien mit Vorgegebenem. (Bilder: Benjamin Manser)

Postarts: Filigrane Spielereien mit Vorgegebenem. (Bilder: Benjamin Manser)

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