Erfolgreiches Theater in schwieriger Lage: Seit 38 Jahre Phönix aus der Asche in Steckborn

Das Phönix-Theater ist das Thurgauer Kompetenzzentrum für zeitgenössischen Tanz. Trotz bald 40-jährigem Erfolg: Die Randlage macht immer noch zu schaffen.

Dieter Langhart
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«Steps»: Die Akram Khan Company tritt in Steckborn auf.

«Steps»: Die Akram Khan Company tritt in Steckborn auf.

Bild: PD

Wie geht es dem Phönix-Theater in Steckborn? Philippe Wacker antwortet mit einem «gut, aber». Es hat soeben seine neue Spielzeit vorgestellt; sie reicht von Theater und Lesungen über Tanz bis hin zu japanischem Trommelfeuer, getreu dem ­dreifachen Stabreim im Motto «Theater, Tanz, Töne». Als «gut» bezeichnet der Theaterleiter die Auslastung, die bei knapp 70 Prozent liegt.

Das Haus hat sich in bald vierzig Jahren einen guten Ruf geschaffen, der weit über Steckborn hinausreicht. Das «aber» bezieht sich auf die Randlage am Südufer des Untersees, also hinter dem Seerücken für die meisten Thurgauer.

«Unsere Stadt ist zwar ein schöner Ort, aber weit ab vom Schuss.»

Die periphere Lage ist ein Nachteil, der See bildet – neben dem höheren Preisniveau – eine Barriere für das deutsche Publikum.

Schwerpunkte Tanz und Vermittlung

«Wir hatten einmal eine Fährverbindung nach Gaienhofen angedacht, aber sie wäre zu teuer gewesen.» Dennoch hat der «Phönix» treue Besucher bis nach Radolfzell und Konstanz hinauf. Auch sie schätzen, dass das Kleintheater ein Kompetenzzentrum für zeitgenössischen Tanz geworden ist.

Maya Jilan Dong zeigt in Steckborn ihre Choreografie «Portraits in Otherness».

Maya Jilan Dong zeigt in Steckborn ihre Choreografie «Portraits in Otherness».  

Bild: PD

Unterstützt von der Thurgauer Kulturstiftung findet hier jährlich das Festival «tanz:now» statt, das einen guten Einstieg bietet für Zuschauer, die sich moderne Tanzformen vielleicht nicht zutrauen. Seit Jahren gastiert zudem das Tanzfestival «Steps» im Phönix-Theater.

Die Reihe «Plattform Thurgau» bietet zwei Aufführungen an einem Abend. Es vereint Profis und aufstrebende Künstler aller Sparten und stosse auf reges Interesse, sagt Wacker. Heuer gibt es Tanz mit Luftakrobatik und japanisches Trommelfeuer.

Die Besucher aus der Region bildeten ein treues Publikum, sagt Philippe Wacker, «aber sie füllen das Haus nicht». Die Theatergruppe Phönix-Kids, die zum Spielzeitauftakt ihr selbstentwickeltes Stück vorstellt, zieht viel lokales Publikum an. Regie führt Petra Cambrosio, die auch beim Jungen Theater Thurgau in Frauenfeld aktiv ist.

Grosse Namen, teure Werbung

Lokales Publikum ziehen auch einzelne Formate wie «Steckborner stellen ihre Lieblings­bücher vor» an, während grosse Namen wie Heidi Maria Glössner oder Hanspeter Müller-­Drossaart sich auch Winterthurer nicht entgehen lassen. Philippe Wacker setzt auf Professionalität, meidet aber die Sparte Comedy mit ihrem rasch verpuffenden Lacherfolg.

Theater, Tanz und Töne: Höhepunkte am Phönix-Theater

Das Phönix-Theater bietet in der neuen Spielzeit für alle etwas:  11./12.1. Theatergruppe Phönix Kids: «Rettet den Stadtpark!».

18.1. Kumpane «Für immer und nie»

8.2. Plattform Thurgau: Léa & Lea «Avec ou sans accent?»; Goraiko Taiko «Japanische Trommeln»

14.2. Hanna Scheuring/Kamil Krejčí «Love Love Love»

15.3.–15.5. Festival tanz:now

5./10.5. Tanzfestival Steps

Detaillierte Infos auf phoenix-theater.ch

Cie Anton Lachky mit der Choreografie «Ludum», die am Steps-Festival in Steckborn zu sehen sein wird.

Cie Anton Lachky mit der Choreografie «Ludum», die am Steps-Festival in Steckborn zu sehen sein wird.

Bild: PD

Dennoch: Jede Bühne muss sein Publikum auch erreichen können. «Unsere Onlinepräsenz ist sehr wichtig», sagt Wacker, «damit wir auch Junge ansprechen.» Der «Phönix» kommuniziert über die sozialen Medien Facebook und Instagram, aber Inserat- und Plakatkampagnen zu schalten, übersteigt das Budget des Hauses – es ist froh, dass das Migros Kulturprozent für «Steps» landesweit mit Plakatkampagnen wirbt.

Über 150 Mitglieder im Trägerverein unterstützen das Haus und erhalten ermässigten Eintritt. Geld erhält es vom Kulturamt, von der Stadt Steckborn und von privaten Sponsoren; projektbezogen auch von Stiftungen.

Philippe Wacker leitet seit über 30 Jahren das Theater Phönix in Steckborn.

Philippe Wacker leitet seit über 30 Jahren das Theater Phönix in Steckborn.

Bild: Reto Martin

Nachhaltigkeit ist ein grosses Thema, sagt Wacker. Die Vermittlungsarbeit im Bereich Tanz hat sich bewährt: Workshop mit Schülern und Erwachsenen, dann eine Aufführung samt Aha-Erlebnis. Aber vielleicht liessen sich statt «Tröpfcheninterventionen» ganzjährige Tanzkurse an der Oberstufe oder permanente Tanzkurse für Erwachsene realisieren.

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