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Sir András Schiff in der Kartause Ittingen: Erdenfern und doch geerdet

Meisterpianist Sir András Schiff hat letzten Freitag die diesjährige Reihe der Ittinger Sonntagskonzerte eröffnet. Seine reife, umfassende Sicht von J. S. Bachs erstem Band des «Wohltemperierten Klaviers» nahm das Publikum auf eine lange, weite musikalische Meditation mit.
Martin Preisser

Es war die richtige Entscheidung, alle 24 Präludien und Fugen ohne Pause zu spielen. Das machte es möglich, sich dem unglaublich genauen, intensiven Spannungsaufbau durch 110 Minuten Musik hingeben zu können. András Schiffs Sicht dieses «Alten Testaments der Klaviermusik» ist geprägt von einer überragenden Natürlichkeit, die aus immenser geistiger Auseinandersetzung mit dieser hochkomplexen Musik resultiert.

Bach in weiser Vollendung: Der ungarische Meisterpianist Sir András Schiff.

Bach in weiser Vollendung: Der ungarische Meisterpianist Sir András Schiff.

Bachs Musik ist ein Gottesdienst im besten Sinne

Eigentlich muss der ungarische Meisterpianist, für den es nach zwanzig Jahren Ittinger Pfingstkonzerte am Freitag in der Kartause auch ein Heimspiel gewesen ist, nichts mehr erklären und keine direkten Fingerzeige mehr geben. Er kann die längst in jedem Detail gedeutete und ausgeleuchtete Musik fliessen lassen. Die bachsche Musik schaffe es, eine Gemeinde zu bilden zwischen Bach, dem Interpreten und der Zuhörerschaft, hat András Schiff einmal bemerkt. Es sei wie ein Gottesdienst im besten Sinne.

András Schiff zelebriert aber nicht einfach ein Präludium und eine Fuge nach der anderen, sondern lässt an einem natürlichen, wie meditativ wirkenden Fluss teilhaben. Seine Musik führt in Erdenferne und ist doch immer geerdet. Für den Hörer wird Bach mit jedem Stück in allen 24 Tonarten immer greifbarer.

Man hatte in der Kartause das Gefühl, Schiff gehe nicht in Treppen durch die 12 Halbtöne, sondern schaue spiralförmig nach jeder Drehung auf das bereits Erklungene zurück, um Energie aus dem bereits Interpretierten in die nächsten Stücke mitzunehmen. So wurde dieser erste Band des Wohltemperierten Klaviers in der langen Zeit nicht anstrengender, sondern der Interpret liess sein Publikum wie sanfter, stiller und immer empfänglicher werden.

Kühnheiten mit grosser Natürlichkeit ausgekostet

Grossartige Details gibt es bei András Schiff natürlich unentwegt. Was aber besonders auffiel, ist Schiffs traumwandlerischer Umgang mit der Zeit im kontrapunktischen Fluss. Besonders gelangen jeweils auch die Übergänge von der Dur- zur Moll-Variante eines Präludiums und einer Fuge. Moll hiess da oft ein reflektierendes Nachschauen auf Dur.

Und das neue Dur bedeutete oft ein unmittelbares Aufblühen in neuer Tonart. Harmonische und kontrapunktische Kühnheiten kostet Schiff mit grosser Natürlichkeit aus, er zeigt manches komplexe Fugenthema, so kompliziert es gehalten sein mag, immer als eine stimmige und konsequente Ausformung bachscher Fantasie.

Nach der zwölften Fuge dann eine kleine Zäsur. Wie innerlich lächelnd schien Schiff da einen neuen Vorhang für die zweite Hälfte aufzumachen. Sakral und doch chromatisch kühn-modern die fis-Moll-Fuge, herrlich leichtfüssig das G-Dur-Präludium, Wärme und Gesanglichkeit, genaue Dichte- und Transparenzgrade: So vieles lässt Sir András Schiff in diesen Zyklus einfliessen. Je länger er dauerte, desto näher kam diese Musik.

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