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Er wollte kein Hamlet, sondern ein Clown sein

Er war ein Meister der Satire – und dafür gefürchtet und geächtet. Doch Dario Fo nahm kein Blatt vor den Mund und wurde dafür mit dem Nobelpreis gewürdigt. Nun ist der selbsternannte Clown im Alter von 90 Jahren gestorben.
Peter Mohr

Als ihm 1997 der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde, sprachen viele Kritiker vom «grössten Fehlurteil» der Stockholmer Akademie, während wohlwollende Stimmen eine «mutige Entscheidung» attestierten. Für Dario Fo kein Novum, denn zeitlebens hat er bewusst provoziert und polarisiert. «Dario Fo steht in der Nachfolge mittelalterlicher Gaukler. Er geisselt die Machtlosigkeit und richtet die Würde der Schwachen wieder auf», hiess es 1997 in der Jury-Begründung des Stockholmer Nobelpreiskomitees. «Wir sind Flegel, und wie allen Flegeln dieser Welt gefällt es uns, zu lachen und zu spotten, grotesk, vulgär und manchmal auch possenhaft zu sein.» So beschrieb Dario Fo sein eigenes künstlerisches Credo.

Kaum ein anderer Autor seiner Popularität war im eigenen Land so umstritten und angefeindet. Politiker, Richter, Fernsehanstalten und vor allem die katholische Kirche erklärten den Nobelpreisträger zu einer Art Persona non grata. Verschiedene TV-Sender verbannten ihn vom Bildschirm, einige Male wurde er auf der Bühne verhaftet, und die USA verweigerten ihm zweimal die Einreise.

«Zweck des Theaters ist Unterhaltung»

Dario Fo, am 24. März 1926 in San Giano am Ostufer des Lago Maggiore als Sohn eines Eisenbahnangestellten geboren, war eigentlich ein Verlierer par excellence. Sein Studium der Malerei und Architektur brach er ab, und seine ersten Stücke, die er mit einer 1959, gemeinsam mit seiner 2013 verstorbenen Ehefrau Franca Reme gegründeten Theatergruppe aufführte, wurden verboten.

Doch seine grossen Publikumserfolge, die sich zunächst ausserhalb Italiens Ende der 1970er-Jahre mit den Stücken «Bezahlt wird nicht» und «Zufälliger Tod eines Anarchisten» einstellten, führten nach und nach auch zu einem Umdenken bei der Fachwelt. Des Autors Satz «der erste und letzte Zweck des Theaters ist Unterhaltung» war für viele Autorenkollegen und Theaterkritiker ein Stich ins Herz.

Doch gerade seine von allen Stilrichtungen und Modetrends unabhängigen Stücke, in denen er scharfzüngig und provozierend gegen die moralische Doppelbödigkeit der Spiessergesellschaft zu Felde zog, begründeten die Erfolge des «Enfant terrible».

Volkstheater bedeutete für Fo immer, dass die Themen und Probleme des Volkes auf die Bühne gebracht werden: «Ich bin nicht mit der Idee zum Theater gegangen, Hamlet zu spielen, sondern mit der Ansicht, ein Clown zu sein, ein Hanswurst.» Gerade deshalb war sein intensiver Kontakt zu den kämpfenden Arbeitern in den 1970ern für das Entstehen seiner Stücke von grosser Bedeutung. Dario Fos Arbeit ist nicht auf den erfolgreichen Dramatiker zu beschränken. Als bissiger Zeitungskolumnist, als Sänger, Schauspieler (in vielen eigenen Stücken), Regisseur (als exzellenter Interpret von Brechts «Dreigroschenoper») und Bürgermeisterkandidat von Mailand steigerte er zusätzlich seinen Bekanntheitsgrad.

Die Folgen eines Schlaganfalls Mitte der 1990er-Jahre hatte der moderne Interpret der Commedia dell'arte ebenso gut überstanden wie mehr als 40 Gerichtsprozesse. Bis zuletzt gab sich der Hüne von 1,90 Meter Körpergrösse äusserst streitlustig und kreativ. Nun ist Dario Fo im Alter von 90 Jahren in einem Mailänder Krankenhaus gestorben.

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