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Über den Gaiser Albert Oehlen sind zwei neue Kunstbände erschienen

Albert Oehlen ist ein Maler, der sich immer wieder neu erfindet. Der international bekannte Künstler lebt seit Jahren in Gais. Eine umfassende Monografie und ein Band, der sich seiner grauen Phase widmet, geben vertiefte Einblicke in sein Schaffen.
Christina Genova
Albert Oehlen in Gais 2009. (Bild: Reto Martin)

Albert Oehlen in Gais 2009. (Bild: Reto Martin)

Seine Werke hängen in den grossen Museen der Welt. Gemalt werden sie seit 18 Jahren in der Ostschweiz. Der deutsche Maler Albert Oehlen lebt zurückgezogen in Gais; 2006 hat der 64-Jährige in Bühler ein Atelierhaus bezogen. Gleich zwei Publikationen sind 2018 zu seinem Schaffen erschienen. Zum einen eine fast fünfhundertseitige Monografie bei Taschen, zum andern bei ­Hatje Cantz ein Band, welcher sich seiner Serie von grauen Gemälden widmet.

Der dreieinhalb Kilo schwere Taschen-Prachtsband bietet einen Überblick über alle Schaffensphasen Albert Oehlens. Über vierhundert Werke sind abgedruckt. Das früheste ist «Godzilla» von 1979. Das schludrig gemalte Monster schreitet über die Leinwand hinaus. Auch in der Malerei werden Grenzen gesprengt: Sie wird in dieser Zeit von den Jungen Wilden wiederentdeckt, auch Albert Oehlen gehört zu dieser Gruppe von Neoexpressionisten. Die Bilder des Sigmar-Polke-Schülers, die bis Mitte der 1980er-Jahre entstehen, sind gegenständlich, oft in schmutzigen Brauntönen gehalten, und bewusst dilettantisch gemalt. In einer Serie integriert er Fragmente von Spiegeln.

Die Seite aus dem Taschen-Band zeigt das Werk «Selbstporträt mit 50millionenfacher Lichtgeschwindigkeit» von 2004. (Bild: PD/Taschen-Verlag)

Die Seite aus dem Taschen-Band zeigt das Werk «Selbstporträt mit 50millionenfacher Lichtgeschwindigkeit» von 2004. (Bild: PD/Taschen-Verlag)

Von Hand ergänzte Computerbilder

Doch Albert Oehlen befreit sich von seinen Anfängen, entwickelt sich weiter Richtung Abstraktion. Überhaupt erfindet er sich über die Jahre immer wieder neu, auf keinen Fall will er zur Marke werden. Seine in sich geschlossenen Werkgruppen scheinen auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun zu haben. Ab 1990 entsteht «Bionische Malerei». Es sind Zeichnungen, die er am Computer schafft und dann mit dem Pinsel weiterbearbeitet: «Meine Hand bringt die Elektronik durcheinander – als würde es der Computer allein, ohne die menschliche Hand, nicht schaffen», sagt Oehlen in einem der zwei Interviews, die ihm Band enthalten sind. Der englisch-deutsche Textteil wird durch drei Aufsätze abgerundet: über sein Frühwerk, zur Serie über den amerikanischen Künstler John Graham, und schliesslich zu seinen neuen Baumbildern, die 2015 in der Kunsthalle Zürich zu sehen waren. Es sind die aktuellsten Werke im Band. In der Monografie von Taschen ist auch die Serie der Grauen Bilder enthalten, die von 1997 bis 2008 in zwei Phasen entstanden sind.

«Schmuck» aus der Serie der Grauen Bilder von 2003. (Bild:PD/Taschen-Verlag)

«Schmuck» aus der Serie der Grauen Bilder von 2003. (Bild:PD/Taschen-Verlag)

Grau steigert die Farblust

Den Hintergrund ihrer Entstehung liefert die Publikation «Grau» von Hatje Cantz, in welchem ein Aufsatz und ein Interview mit Oehlen enthalten ist – leider nur in englischer Sprache. Darin sagt der Künstler, alles habe angefangen damit, dass er keine schwarze Farbe hatte und deshalb Resten von Rot, Grün und Blau zusammenmischte. Die Grauen Bilder von Gerhard Richter kamen ihm in den Sinn, bei welchen dieser die noch nassen Gemälde in horizontaler Richtung schwenkte: «Ich dachte mir, was wird wohl passieren, wenn ich sie in alle Richtungen schwenke, nicht systematisch, sondern intuitiv?» Alles zerfliesst, verschwimmt. So sind Oehlens Graue Bilder zwar seine einzige Rückkehr zur Gegenständlichkeit, entziehen sich dieser aber auch gleichzeitig.

Albert Oehlen nennt schliesslich einen weiteren Grund, weshalb er sich der Farbe Grau zuwandte: «Ich wollte meine Bilder in noch kraftvolleren Farben malen.» Deshalb habe er sich selbst die grauen Bilder «verschrieben», um seine Lust auf Farbe künstlich zu steigern.

Albert Oehlen: Grau. Hatje Cantz, 108 S., 49.–

Albert Oehlen: Grau. Hatje Cantz, 108 S., 49.–

Hans Werner Holzwarth: Albert Oehlen. Taschen, 496 S., 71.–Fr.

Hans Werner Holzwarth: Albert Oehlen. Taschen, 496 S., 71.–Fr.

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