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Er war ein Wunderkind bis ins hohe Alter

Als Nachtrag zum «Kindheit»-Sommer erinnert die aktuelle CD aus dem Archiv des Festivals an ein Wunderkind par excellence: mit zwei Aufnahmen von den vielen Auftritten Nathan Milsteins in Luzern.
Fritz Schaub
Undatiertes Foto mit Stargeiger Nathan Milstein in Luzern. (Bild: Klaus Hennch/PD)

Undatiertes Foto mit Stargeiger Nathan Milstein in Luzern. (Bild: Klaus Hennch/PD)

Nathan Milstein – in fetten Lettern prangt der Name auf dem Cover der jüngsten Veröffent­lichung der Konzertmitschnitte, die Lucerne Festival in Kooperation mit Audite regelmässig auf CD herausgibt. Und das zu Recht. Denn mit diesem Geiger hat Lucerne Festival eine besondere Kapazität aus der Vergangenheit geholt. Eher widerwillig griff Milstein zu Violine («Ich wäre lieber Fussballer geworden»), dabei war er ein Wunderkind.

Die Geigentechnik beherrschte er mit sieben Jahren, als Elfjähriger spielte er Alexander Glasunows Violinkonzert unter der Stabführung des Komponisten. In einer Zeit, in der eine Geigensolistin noch die grosse Ausnahme war und Spitzengeiger an einer Hand abzuzählen waren, gehörte der 1904 in Odessa geborene Künstler schon bald zu den ganz Grossen seiner Zunft – neben Menuhin, Francescatti, Stern, Szering und vielleicht noch Schneiderhan. Nach der Oktoberrevolution verliess Milstein seine Heimat und kehrte nie mehr zurück. Er nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

Enge Beziehung zu Luzern

Zu Luzern pflegte Milstein eine besondere Beziehung, wie es in dem Ausmass nur damals möglich war. Es ist fotografisch belegt, dass er 1938 dem legendären Galakonzert Toscaninis in Tribschen beiwohnte. Verbürgt ist auch, dass er bereits in den 1930er-Jahren, also lange vor seinem Luzern-Debüt 1949, mehrfach am Vierwaldstättersee war und bei seinem Freund Sergei Rachmaninow zur Hand ging bei der Ausarbeitung von Streicherstimmen.

Milstein zählte wie Arthur Rubinstein zu jenen jüdischen Künstlern, die wegen der nationalsozialistischen Verbrechen nicht mehr in Deutschland auftraten (im Fall Milsteins mindestens nicht bis 1966), wovon die Luzerner Musikfestwochen profitierten. Nicht weniger als zwölfmal ist er im Luzerner Kunsthaus aufgetreten, wo er überhaupt ungewöhnlich lange konzertierte, noch als 82-Jähriger, bevor eine Handverletzung ihn zur Aufgabe zwang. Er starb 1992 im hohen Alter von 88 Jahren.

Ungewöhnliche Liebe zu Dvořák

Ich erinnere mit noch gut, mit welch bestechender Sicherheit und verblüffender Virtuosität der sportlich selbstbewusst und weltmännisch auftretende Künstler mit dem pechschwarzen Haarschopf das Violinkonzert von Antonín Dvořák meisterte. Es war nicht der jetzt auf der historischen CD festgehaltene Auftritt von 1955, sondern derjenige vier Jahre später unter Giulini. Ungewöhnlich war allein schon diese Liebe zum Dvořák-Konzert, das er dreimal auch im Studio aufgenommen hat – in einer Zeit, in der das Konzert noch klar im Schatten der Meisterwerke von Beethoven, Mendelssohn, Tschaikowsky oder Brahms stand.

Auf dem jetzt erschienenen Tonträger kann man feststellen, mit welch vulkanischem Temperament und glühendem Ton er schon beim ersten Einsatz Präsenz markiert, begleitet von einem auffallend kompakt wirkenden Schweizerischen Festspielorchester unter Ernest Ansermet, der sich hier auf eher ungewohntem Terrain bewegte. Wie für das Dvořák-Konzert gilt auch für das Mendelssohn-Konzert (Aufnahme 1953): Die entschlackte, sehnige und messerscharf akzentuierte Wiedergabe wirkt noch heute erstaunlich modern.

Nathan Milstein: Violinkonzerte von Mendelssohn und Dvořák, Schweizerisches Festspielorchester unter Ivor Markevitch (Mendelssohn) und Ernest Ansermet (Dvořák). Audite, 1 CD.

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