Er schreibt ein Theaterstück fürs Kino

Die Kurzgeschichten und Gedichte des Ausserrhoder Texters und Autors Ralf Bruggmann sind preisgekrönt und gedruckt. Nun wagt er sich an ein neues Format: Schauspiel und Lesung verknüpft mit Kino.

Julia Nehmiz
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Er sei ein Schnellschreiber, sagt Ralf Bruggmann. (Bild: St. Gallen, 18.2.2019/Hanspeter Schiess)

Er sei ein Schnellschreiber, sagt Ralf Bruggmann. (Bild: St. Gallen, 18.2.2019/Hanspeter Schiess)

Es klingt verrückt. Eine Lesung? Szenisch? Im Kino? Warum?

Ralf Bruggmann nimmt einen Schluck von seiner Cola Zero und schaut einen freundlich an. Warum nicht?, scheinen seine Augen zu sagen, doch er ist viel zu zurückhaltend, um das auszusprechen.

Seine Antwort ist einfach: Das Kino Cinewil hat ihn für eine Lesung in ihrem Format «Cinestage» angefragt. «Aber dort nur mit einem Glas Wasser auf der Bühne zu sitzen, hätte ich schade gefunden», sagt Bruggmann. Wenn schon Lesung im Kino, dann mit Kino.

Er schrieb eine Geschichte, suchte Leute, die mitmachen – und musste die Goldacher Sängerin Manuela ­Gerosa und den Ausserrhoder Schauspieler Philipp Langenegger nicht lange überzeugen.

Sie wollen Künstler und Kino vernetzen

Seit September arbeitet er an «Aus dem Rahmen» – immer dann, wenn ihm Zeit neben seinem 100-Prozent-Job als Texter einer Rheintaler Werbeagentur und neben seiner Familie bleibt. Die Filmszenen sind alle im Kasten. Die Texte längst geschrieben. Jetzt stehen letzte Proben an. Am Montag ist Premiere.

Und ja, er sei aufgeregt. Noch konnten sie den Abend nicht im Ablauf proben. Auch gibt kein Regisseur Anweisungen – der Autor und seine Crew machen alles selber. Und Bruggmann spielt auch selber auf der Bühne, etwas, das er sonst nicht macht. Zu schüchtern, zu zurückhaltend. Aber: «Sie haben mich angefragt und ich will es ausprobieren.»

Dass das Kino Cinewil ihn anfragte, ist einer Begegnung geschuldet. Conny Dierauer ist Programmverantwortliche der Reihe «Cinestage» und eine Gesangskollegin von Manuela Gerosa, die Ralf Bruggmann empfohlen hat. Dierauer war angetan von der Idee. 

«Mit unserer Reihe versuchen wir, vom Schubladendenken wegzukommen und Kino und Künstler zu vernetzen.»

Es ist die zweite Saison, in der das Wiler Kino vier bis sechs kulturelle Abende im Kinosaal organisiert. Ob sie das Programm nächste Saison weiterführen, ist noch in der Schwebe. «Es dauert, bis das Publikum merkt, dass bei uns im Kino nicht nur Filme laufen.»

Für Ideen hat er immer Notizbuch und Stift parat

Für sein Stück «Aus dem Rahmen» hat Ralf Bruggmann eine Geschichte über zwei Geschwister geschrieben, die nach dem Tod des Vaters (im Film gespielt von Philipp Langenegger) versuchen, die Erinnerungen zu ordnen und via Tagebucheinträgen in die Vergangenheit reisen.

Das Stück ist nicht persönlich inspiriert, sagt Bruggmann, der sich, egal wo er ist, Geschichten ausdenkt – Notizbuch und Stift immer parat. Er sei ein Schnellschreiber. Und ein erfolgreicher: 2016 gewann er den Ausserrhoder Literaturpreis. Ob «Aus dem Rahmen» ein Erfolg wird? Er lächelt. Sie arbeiten dran.

«Aus dem Rahmen» am 25.2.2019, 20 Uhr im Cinewil. Infos unter www.cinewil.ch

Der Roman liegt in der Schublade

Ralf Bruggmann hat den ersten Literaturland-Schreibwettbewerb Appenzell Ausserrhoden gewonnen. Mit seiner skurrilen Geschichte hat er Jury und Publikum überzeugt. Der 39jährige Werbetexter lebt mit seiner Familie in Speicher.
Hansruedi Kugler

REGION: «Mit den Wörtern ein Bild zeichnen»

«Ein Satz über einen, der auf einer Telefonzelle steht» – mit dieser Kurzgeschichte gewann Ralf Bruggmann vergangenen Samstag den Schreibwettbewerb des Amtes für Kultur Appenzell Ausserrhoden. Nebst dem Jurypreis holte er sich auch den Publikumspreis.