Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Olaf Nicolai macht aus Zeitung Kunst

Der international renommierte Künstler sammelt seit Jahren Pressebilder. Geklonte Rennpferde interessieren ihn ebenso wie Spuren von Sternenexplosionen in der Tiefsee. In der Kunsthalle Wien hat Nicolai 22 Bilder aus seinem Archiv mit Kreide auf den Boden malen lassen. Fotos davon kehren nun im Rahmen eines Kunstprojekts zurück in 18 Zeitungen.
Christina Genova
«There Is No Place Before Arrival [Weg ohne Umkehr – Schneelawine]», 2018, von Olaf Nicolai stammt aus seiner aktuellen Ausstellung in der Kunsthalle Wien. Dort wurde es mit Kreide auf den Boden gemalt. (Foto: Stephan Wyckoff)

«There Is No Place Before Arrival [Weg ohne Umkehr – Schneelawine]», 2018, von Olaf Nicolai stammt aus seiner aktuellen Ausstellung in der Kunsthalle Wien. Dort wurde es mit Kreide auf den Boden gemalt. (Foto: Stephan Wyckoff)

Am 12. Juli 2007 macht sich frühmorgens eine Bergsteigergruppe der Schweizer Armee von der Mönchsjochhütte auf den Weg, die Jungfrau zu besteigen. Kurz vor zehn Uhr werden sechs Rekruten oberhalb des Rottalsattels von einem Schneebrett erfasst und stürzen tausend Meter in die Tiefe. Die jungen Männer sind sofort tot.

Das Pressefoto, das einen Artikel in der NZZ am Sonntag über das Lawinenunglück bebildert, wirkt auf den ersten Blick harmlos. Man sieht eine tief verschneite Hochgebirgslandschaft und Spuren im Schnee, die zum Berggrat hochführen. Die Bildkomposition mit Farbabstufungen von schneeweiss bis dunkelgrau erinnert an ein abstraktes Gemälde. Doch es sind die letzten Fussspuren, welche die Rekruten hinterliessen, kurz bevor es zum Absturz kam. Im Wissen darum erhält das Foto eine ungeahnte Tragik.

Vom Papier auf den Boden

Das Zeitungsbild fand Eingang in die Sammlung von Olaf Nicolai, der zurzeit in der Kunstzone der Lokremise St. Gallen ausstellt. Dort ist eine Installation aus 20 Tonnen Sand zu sehen, die wahlweise an eine Mond- oder Wüstenlandschaft erinnert. Das Bild über das Lawinenunglück im Berner Oberland hat den Künstler wohl gerade deswegen fasziniert, weil es kein klassisches Unglücksbild ist: Man sieht keine Helikopter, die Tote oder Verletzte bergen.

Nicolai, ein bekennender Zeitungsfan, interessiert sich dafür, wie Bilder zur Illustration von Inhalten eingesetzt werden. Was sieht man auf einem Bild oder was glaubt man darauf zu sehen? Welche Assoziationen löst es aus, welche inneren Bilder entstehen? Und er untersucht, was passiert, wenn Bilder in einen anderen Kontext überführt werden.

Bekennender Zeitungsfan: Olaf Nicolai in der Kunstzone der Lokremise St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi (6.7.2018))

Bekennender Zeitungsfan: Olaf Nicolai in der Kunstzone der Lokremise St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi (6.7.2018))

Für seine Ausstellung «There Is No Place Before Arrival» in der Kunsthalle Wien, die parallel zur Ausstellung in St. Gallen läuft, hat er 22 Pressebilder aus seiner Sammlung ausgewählt. Strassen- und Theatermaler haben diese vergrössert mit Kreide auf den Boden gemalt – darunter auch das Schneespurenbild. Aus den unterschiedlich grossen Einzelbildern entsteht ein Gesamtbild. Der riesige Bildteppich darf von den Besucherinnen und Besuchern betreten werden. Die Kreidebilder werden sich deshalb im Laufe der Ausstellung verändern oder sogar verschwinden. Auf der Webseite der Kunsthalle Wien kann ein Booklet mit allen Bildern heruntergeladen werden.

Ein weitere Schlaufe in diesem Umwandlungsprozess der Bilder entsteht dadurch, dass die Kreidebilder fotografiert wurden und nun unter dem Projekttitel «media loop» in 18 internationalen Zeitungen und Magazinen publiziert werden. Darunter ist auch diese Zeitung, in der das Schneespurenbild abgedruckt ist.

Hinter«media loop» steckt die gemeinnützige Kunstinitiative «museum in progress» aus Wien. Sie wurde vor bald 30 Jahren gegründet, um Kunst auch ausserhalb der Museen in Zeitungen, auf Plakatwänden oder im Internet zu zeigen. Mittlerweile ist man in den sozialen Medien angelangt: Unter dem Hashtag #medialoop findet man auf Instagram eine weitere Plattform für die Präsentation der Bilder.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.