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Lesetipp: Fast ein Krimi in Venedig

Ein vereinsamter Mann will sich umbringen und beobachtet stattdessen einen Mord. Ab da wird er zum Spielball mysteriöser Kräfte. Die suggestive Geschichte des Österreichers Gerhard Roth vermischt Realität und Wahn.
Arno Renggli
Venedig spielt in Gerhard Roths neuem Roman eine Hauptrolle

Venedig spielt in Gerhard Roths neuem Roman eine Hauptrolle

Es könnte auch auf einen spannenden Krimi hinauslaufen: Ein Mann beobachtet einen Mord, er gerät selber ins Visier der Täter, eine verführerische Frau spielt eine mysteriöse Rolle. «Die Bezeichnung Krimi würde ich hier nicht verwenden», meint Autor Gerhard Roth auf diese Frage. «Aber ich habe Romane wie von Raymond Chandler, Dashiell Hammet oder Patricia Highsmith mit grosser Begeisterung gelesen und schätze sie immer noch.»

Die mediterrane Atmosphäre, die Venedig als Schauplatz von Roths Story ausstrahlt, könnte tatsächlich an eine Patricia Highsmith erinnern. Aber sonst handelt es sich zunächst um die Studie eines vereinsamten Mannes: Emil Lanz, ein deutscher Übersetzer, lebt in einem Haus auf dem Lido von Venedig.

Er verfolgt das Leben anderer Leute

Die Zeit verbringt er damit, die Stadt zu erforschen, am Strand zu spazieren, oder Menschen, die ihn besonders anziehen oder abstossen, heimlich zu verfolgen. Ein eigenes Leben hat er kaum mehr. So beschliesst er, sich zu ­erschiessen. Auf der Suche nach einem geeigneten Platz betrinkt Lanz sich immer mehr. Als er wieder zu sich kommt, wird er Zeuge eines Mordes.

Wieder zu Hause, beginnt er an seiner Wahrnehmung und Erinnerung zu zweifeln. Zumal sein Leben immer surrealistischere Züge annimmt. Bald wird er von Helfern des Mörders beschattet. Und auch dessen Freundin tritt in das Leben von Lanz. Ist sie selber in Gefahr oder eine betörende Intrigantin? Als der Mörder seinerseits getötet wird und auch die Polizei Lanz ins Visier nimmt, ­gerät sein Leben aus den Fugen.

Wie ein Film von David Lynch

Bei Roths Roman, dessen Titel sich übrigens nur schwer aus der Handlung nachvollziehen lässt, muss man sich auf die zunehmende Verwischung von Realität und Wahn einlassen. Roth sagt dazu: «Es könnte sogar sein, dass Lanz sich tatsächlich erschossen hat und alles nur die Schilderung seines Sterbens ist. Man liest das Buch am besten, wie man einen Film von David Lynch sieht.»Der Vergleich passt tatsächlich, und darin liegt die Faszination des Buches.

Berührend ist eine mögliche Lesart, dass Lanz mit dem verzweifelten Suizidversuch die ­Kontrolle über sein Leben aus der Hand gibt. Immer mehr wird er zum Spielball anderer Leute oder geheimnisvoller Mächte. Indes sind die Folgen nicht nur negativ. Zwar kommt er in Teufels Küche, erhält aber auch mächtige Helfer. Einer von ihnen gibt ihm sogar den Traumjob, Shakespeares Werke neu zu übersetzen. Ein derart langfristiges Projekt , dass es schon fast wie ewiges Leben im Paradies anmutet.

Detaillierte Schauplätze

Aber eben: Was ist real? Protagonist des Romans ist auch die Stadt Venedig. Zu ihr hat Autor Gerhard Roth selber eine enge Beziehung. Was man nur schon daran merkt, wie detailliert er die vielen Schauplätze schildert, durch die Lanz mäandert. Wer Venedig gut kennt oder besser kennen lernen will, wird diesen besonderen Roman mit noch mehr Genuss lesen.

Gerhard Roth: Die Hölle ist leer, die Teufel sind alle hier. Fischer, 364 S., Fr. 39.–.

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