Er geht weit über die Musik hinaus

Die Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur verleiht dem St. Galler Musiker Rudolf Lutz ihren Jahrespreis. Mit 50 000 Franken ist der Stab-Preis einer der höchstdotierten Kulturpreise der Schweiz.

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Rudolf Lutz vor den Appenzeller Bach-Tagen 2014. (Bild: Urs Bucher)

Rudolf Lutz vor den Appenzeller Bach-Tagen 2014. (Bild: Urs Bucher)

ZÜRICH. Rudolf Lutz habe «die Musik als Sprache des Herzens nicht nur zum Beruf gewählt, sondern sein Leben in den Dienst der Musik gestellt». Das schreibt Robert Nef, Präsident des Stiftungsrats der Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur. Die Stab-Stiftung verleiht Rudolf Lutz ihren Jahrespreis. Mit 50 000 Franken ist die Auszeichnung einer der am höchsten dotierten Kulturpreise der Schweiz; er wird seit 1977 ausgerichtet.

Als Interpret an der Orgel, am Cembalo, am Klavier und am Dirigentenpult, als Chorleiter, als Musikpädagoge und auch als Komponist und Improvisator übertrage Lutz seine eigene Begeisterung für Musik auf andere Menschen, auf die Musiker und Sänger, auf das Publikum und auch auf seine Schülerinnen und Schüler, heisst es weiter.

Alle Bach-Kantaten aufführen

Als langjähriger Organist der Kirchgemeinde St. Laurenzen in St. Gallen habe er die Gottesdienste zu einem Dialog zwischen Wort und Musik werden lassen, und sich als künstlerischer Leiter der Bach-Stiftung für die Aufführung des gesamten Kantatenwerks von Bach zum Ziel gesetzt.

Rudolf Lutz kombiniere stets Spielfreude mit Werktreue und beruflichen Ernst mit feinem Humor. «Es gelingt ihm dabei, die Musik nicht nur als kulturelle Bereicherung zu vermitteln, sondern als eine gerade in der heutigen Zeit zutiefst notwendige Lebenshilfe und als Vermittlerin geistiger und seelischer Werte, die sich nicht in Worte fassen lassen, weil sie weit über das rein Musikalische im engeren Sinn hinausreichen.»

Lutz schlägt behutsam Brücken

Die Stiftung würdige Rudolf Lutz auch als international gefragten Experten für historische Aufführungspraxis und als Improvisator, der nicht Originalität um jeden Preis anstrebt, sondern behutsam die Brücke schlage zwischen Vergangenheit und Gegenwart und zwischen dem Interpreten und dem Publikum.

Als langjähriger Dirigent und Inspirator der traditionsreichen Veranstaltung «Offenes Singen für Ältere» vermittle er jenseits aller Routine jene spontane Fröhlichkeit, die es möglich mache, dass die Sprache des Herzens wieder zu Herzen geht. «Der Stab-Preis soll nicht nur ein reiches Lebenswerk würdigen, sondern auch zum weiteren Engagement im Dienst von Ethik und Kultur animieren.»

Der Preis wird Rudolf Lutz heute im Fraumünster Zürich überreicht. (red.)