«Er fotografierte, um Geschichten zu erzählen»

Hansruedi Kugler
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Fotobuch Verleger Marcel Steiner erinnert sich an die Zusammenarbeit für die Monographie «Welt im Licht».

«Herbert Maeder war ein begnadeter Geschichtenerzähler», sagt Marcel Steiner. Das habe ihn schon bei seiner ersten Begegnung 1990 beeindruckt – auf einer Sommerserie-Wanderung mit der Appenzeller Zeitung habe man ihn in seinem Haus in Rehetobel besucht. Seine Reisen in Afghanistan, das Schweizer Hochgebirge, die Menschen im Alpstein, die eigenen geliebten Kinder – beim obligaten Glas Wein, das Maeder jedem Gast hinstellte, konnten die Nachmittage vergnüglich lang werden. Entsprechend lang waren neun Jahre später die Gespräche zum Projekt des Jubiläumsbands «Welt im Licht». Steiner sagt es schmunzelnd: «fast endlos». Herbert Maeder wollte sein Lebenswerk dokumentieren – zum 70. Geburtstag. «Er wusste zu jedem Foto eine Geschichte zu erzählen, und wenn er Skepsis bemerkte, wurden die Geschichten so lang, bis auch ich überzeugt war», erinnert sich Steiner.

Auch wenn ihn 24 Altersjahre von Herbert Maeder trennen, so haben die beiden doch viel gemeinsam: Die politisch «grüne» Gesinnung, das ruhige Temperament, die Liebe zu Büchern, zum Appenzellerland, zum Wandern und zum Fotografieren. «Natürlich habe ich ihn jedes Mal in den Nationalrat gewählt», sagt Steiner. Zur gemeinsamen Fotowanderung sei es leider nie gekommen, bedauert er.

Inspiration für das eigene Fotografieren

Maeders Engagement habe ihn beeindruckt: Wie er auf dem Öhrli-Gipfel im Biwak übernachtete, um den Sonnenaufgang zu fotografieren – und wie er mit seinen Diaschauen als Mahner gegen die Zerstörung der Natur und Landschaft aufgetreten sei. Marcel Steiner ist selbst seit Jahren auch als Landschaftsfotograf tätig. An einer seiner Fotoausstellungen war Maeder Laudator. Die Freundschaft hat sich vertieft, als Steiner einen Erzählband von dessen Tochter verlegt hat. Maeder war auch treuer Stammgast an den Büchernächten des Appenzeller Verlags, zuletzt bei der Vernissage der «Appenzeller Anthologie». An Maeders Fotografien schätzt Steiner: «Er war ein unaufgeregter Fotograf mit viel Geduld, einer, der an den Menschen interessiert war. Maeder zog das Schlichte vor, er wollte die Welt zeigen – nicht enträtseln. Er fotografierte, um erzählen zu können.»

 

Hansruedi Kugler

Herbert Maeder: Welt im Licht, 50 Jahre Fotojournalismus, Appenzeller Verlag 2000, 208 S., Fr. 89.–