Er bannt Landschaften auf Glas

Der Thurgauer Künstler und Kurator Richard Tisserand malt hinter Glas – draussen. Warum er das tut und wie, zeigt ein hervorragend aufgemachtes Künstlerbuch, das zu seiner aktuellen Ausstellung in der Schaffhauser Galerie Mera erschienen ist.

Dieter Langhart
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Buchvernissage in der Ausstellung: Verlegerin Judith Luks und Künstler Richard Tisserand. (Bild: Dieter Langhart)

Buchvernissage in der Ausstellung: Verlegerin Judith Luks und Künstler Richard Tisserand. (Bild: Dieter Langhart)

SCHAFFHAUSEN. Fels und Gischt am Rheinfall, der Seerhein und die Lieblichkeit, Paris und die Häuserlandschaften: wieder und wieder, wandfüllend oder winzig wie eine Postkarte. Richard Tisserand gewinnt seinen geliebten Landschaften Ansicht um Aufsicht ab – draussen an der Staffelei. Und auf ihr steht eine Glasplatte, nicht eine Leinwand. «So kann ich die Farben malen, die ich sehe», sagt der Eschenzer.

Optische Auseinandersetzung

Richard Tisserand hat die verpönte Landschaft und die vergessene Technik der Hinterglasmalerie in den 80er-Jahren für sich entdeckt – zufällig durch die Polaroid-Fotografie. Des Künstlers Weg und Absichten zeichnet die Kunsthistorikerin Sibylle Omlin in ihrem Essay nach. Entscheidend sei nicht die Konkurrenzfähigkeit mit technischen Bildmedien – das Thema habe sich der Erfindung der Fotografie ohnehin erledigt –, sondern auf die Fähigkeit der Selbstbefragung eines Mediums. Malerei zeige das Resultat einer optischen Auseinandersetzung und ihrer Wahrnehmung. Mit seiner Hinterglasmalerei pleinair habe Tisserand direkten Zugriff auf die Natur, die Landschaft.

Künstler, Kurator und ein Pola

Geschickt montiert Gestalterin Martina Perrin den fadengehefteten Band aus Fotografien, Texten und Reproduktionen. Der Ostschweizer Fotograf Sebastian Stadler blickt von aussen, zeigt die Atmosphäre der Ateliers in Paris, Neuhausen und Stein am Rhein, zeigt die entstehenden Bilder draussen in der Natur, einmal auch den Maler. Und das Pola-Selbstbildnis mit Brille, um das der Medien- und Kunsttheoretiker Nils Röller Essay und Ansprache baut. Er spricht auch Tisserands Rolle als Künstler und Kurator des Kunstraums Kreuzlingen an als zwei Berufe, die sich ergänzen.

Künstlerbuch statt Katalog

Zwischen den Reproduktionen (einige vergrösserte Ausschnitte verdeutlichen die Maltechnik) und einer Werkübersicht samt Bio- und Bibliographie umkreist die Müllheimer Schriftstellerin Zsuzsanna Gahse in acht teils originalen Texten das Thema «Schichten», die sie in Gebirgen, Wolkenteppichen oder auch Städten ausmacht.

Alles andere als ein braver Katalog – die St. Gallerin Judith Luks hat in ihrer Edition ein vorbildliches Künstlerbuch verlegt.

Richard Tisserand: Hinterglasmalerei, Edition Clandestin, Biel 2014, 128 S., 48 Franken. Bis 18.10. www.galerie-mera.ch