Epidemische Hektik

«Tatort»

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«Aussen hui, und innen? – Schaun mermal!» Moritz Eis­ner meint Pöllau in der Steiermark, ein harmloses österreichisches Kaff im ­Grünen. Das ist in der ersten «Tatort»-Ausgabe nach der Sommer­pause Schauplatz für eine Terrorausweitungsfantasie mit Biokomponente.

Die Wiener Ermittler Bibi Fellner und Moritz Eisner werden in der Folge «Virus» nicht nur vom Chef mit schlechten Laktatwerten konfrontiert und auf den Hometrainer verwiesen – auf dessen Sattel sich dann lediglich der pflichtbewusste Kollege Manfred Schimpf schwingt. Sondern sie geraten in einen Fall, in dem der Biokosmos Mensch ins kriminologische Interesse rückt.

Regisseurin Barbara Eder schickt uns zunächst in den Pöllauer Wald. Dort liegt ein ermordeter Afrikaner in einem Steinbruch. Als Gerichtsmediziner Kreindl am Leichnam das Ebola-Virus diagnostiziert, bricht epidemische Hektik aus. Eine grossartige Bühne für die Einsatzkommandos der Region! Ein schlechter Tag für diejenigen, die gerade heiraten wollten.

Bibi und Kollege Moritz bemühen sich im Chaos um konjunktivfreie Aufklärung, treffen aber auf eine Landbevölkerung, die sich lieber hinter dem Konjunktiv der Mutmassungen versteckt. Unter Mordverdacht stehen bald auch die Flüchtlinge vom Fluchthof nebenan. Geführt wird die vorbildliche Unterkunft von einem Arzt, der aussieht wie die Kopie aus einer Arztserie. Der Leumund des Fluchthofs ist nach aussen «hui». Doch eben: Wie siehts drinnen aus?

Einen Realismuscheck würde dieser Tatort nie überstehen. Insgesamt annehmbar und bisweilen sogar richtig gut ist er hingegen als Groteske.

Julia Stephan

«Tatort» aus Wien: «Virus». Heute, 20.05 Uhr, SRF 1.