Entdeckt, gehasst, verehrt, vermarktet

Es begann nicht mit Karl May. Die europäische Auseinandersetzung mit den Indianern ist viel älter, wie die Ausstellung «Faszination Indianer» im Nordamerika Native Museum in Zürich zeigt.

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NONAM Spielpistolenset- Die Sonderausstellung präsentiert eine Vielzahl von stereotypen Indianer-Bildern und Produkten.

NONAM Spielpistolenset- Die Sonderausstellung präsentiert eine Vielzahl von stereotypen Indianer-Bildern und Produkten.

Es begann nicht mit Karl May. Die europäische Auseinandersetzung mit den Indianern ist viel älter, wie die Ausstellung «Faszination Indianer» im Nordamerika Native Museum in Zürich zeigt. Seit Kolumbus und der Kolonisation der «Neuen Welt» interessieren Indianer als «Wilde» – das positive Bild des «edlen», naturnahen Wilden zeichnet aber erst die Aufklärung. Da ist es auch schon zu spät, im 19. Jahrhundert metzeln die amerikanischen Siedler die Indianer nieder; die berühmten Porträtbilder des Malers Karl Bodmer erinnern an eine verlorene Zeit.

Dem Untergang folgt die literarische Wiederauferstehung – und hierzu hat Karl May Entscheidendes beigetragen. Nicht als erster (Coopers «Lederstrumpf» oder der Franzose Gabriel Ferry gingen voraus), aber als erfolgreichster. Sein Verdienst ist es zudem, wie Ausstellungskurator Florian Gredig sagt, ein durchwegs positives bis idealisiertes Indianerbild verbreitet zu haben – während es bei ihm um den Charakter der Weisshäute weniger gut bestellt ist: Die amerikanischen Trapper, Goldschürfer und Rafter sind bei Karl May oft Bösewichte, den «guten weissen» Part nehmen Old Shatterhand, Old Firehand und andere, also deutschstämmige «Westmänner» ein.

Bald wird mit Indianer-Exotik auch Geld gemacht. «Buffalo Bill» zieht um 1870 Indianershows in den USA auf, ein Pendant dazu bietet später in der Schweiz der Circus Knie, der 1931, 1938 und 1958 «echte» Indianer zur Schau stellt. Dann brechen alle Dämme. Klebebildchen für die Kinder, Indianerspielzeug wie das Saugpfeil-Set (Bild), Motorräder der Marke «Indian», «Indiana»-Zigaretten oder Sioux-Schuhe stehen in der Zürcher Ausstellung für die kommerzielle Attraktivität des Indianers.

Frappierend ist der Wandel des Indianerbilds im Hollywoodkino. Als «rote Teufel» sind sie lang bloss Kanonenfutter oder Karikatur. Die Wende kommt unter anderem mit dem Idol Winnetou – aber noch ein Film wie «Der mit dem Wolf tanzt» zeigt Stereotypen. Endgültig in Europa an kommen die Indianer in den 1960er-Jahren: als Ikonen der Umweltbewegung und spirituelle Vorbilder. (Su.)

«Faszination Indianer», Nordamerika Native Museum Zürich, Di–Fr 13–17 Uhr, Sa/So 10–17 Uhr

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